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Phantasiegärten
Rainer Maria Rilke
(Welt
Gedichte)
Menschen bei Nacht
1899, Berlin-Schmargendorf
Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die
Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.
Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende
Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Johann Wolfgang von Goethe (Welt
Gedichte)
Atmosphäre
Die Welt, sie ist so
groß und breit,
Der Himmel auch so hehr und weit;
Ich muss das Alles mit Augen fassen,
Will sich aber nicht recht denken lassen.
Dich im Unendlichen zu finden,
Musst unterscheiden und dann verbinden.
Drum danket mein beflügelt Lied
Dem Manne, der Wolken unterschied.

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