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Balladen Kurze Balladen - Übersicht Balladen

 

Dichter: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Themen: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

 

Annette von Droste-Hülshoff (Balladen)  

Der Graf von Thal
I
Das war der Graf von Thal,
So ritt an der Felsenwand;
Das war sein ehlich Gemahl,
Die hinter dem Steine stand.

Sie schaut' im Sonnenstrahl
Hinunter den linden Hang,
"Wo bleibt der Graf von Thal?
Ich hört' ihn doch reiten entlang!

Ob das ein Hufschlag ist?
Vielleicht ein Hufschlag fern?
Ich weiß doch wohl ohne List,
Ich hab' gehört meinen Herrn!"

 

Sie bog zurück den Zweig.
"Bin blind ich oder auch taub?"
Sie blinzelt' in das Gesträuch
Und horcht' auf das rauschende Laub.

Öd war's, im Hohlweg leer,
Einsam im rispelnden Wald;
Doch überm Weiher, am Wehr,
Da fand sie den Grafen bald.

In seinen Schatten sie trat.
Er und seine Gesellen,
Die flüstern und halten Rat,
Viel lauter rieseln die Wellen.

Sie starrten über das Land,
Genau sie spähten, genau,
Sahn jedes Zweiglein am Strand,
Doch nicht am Wehre die Frau.

Zur Erde blickte der Graf,
So sprach der Graf von Thal:
"Seit dreizehn Jahren den Schlaf
Rachlose Schmach mir stahl."

"War das ein Seufzer lind?
Gesellen, wer hat's gehört?"
Sprach Kurt: "Es ist nur der Wind,
Der über das Schilfblatt fährt." –

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"So schwör' ich beim höchsten Gut,
Und wär's mein ehlich Weib,
Und wär's meines Bruders Blut,
Viel minder mein eigner Leib:

Nichts soll mir wenden den Sinn,
Dass ich die Rache ihm spar';
Der Freche soll werden inn',
Zins tragen auch dreizehn Jahr'.

Bei Gott! das war ein Gestöhn!"
Sie schossen die Blicke in Hast.
Sprach Kurt: "Es ist der Föhn,
Der macht seufzen den Tannenast." –

"Und ist sein Aug' auch blind,
Und ist sein Haar auch grau,
Und mein Weib seiner Schwester Kind –"
Hier tat einen Schrei die Frau.

Wie Wetterfahnen schnell
Die Dreie wendeten sich.
"Zurück, zurück, mein Gesell!
Dieses Weibes Richter bin ich.

Hast du gelauscht, Allgund?
Du schweigst, du blickst zur Erd'?
Das bringt dir bittre Stund'!
Allgund, was hast du gehört?" –

"Ich lausch' deines Rosses Klang,
Ich späh' deiner Augen Schein,
So kam ich hinab den Hang.
Nun tue, was Not mag sein." –

"O Frau!" sprach Jakob Port,
"Da habt Ihr schlimmes Spiel!
Grad' sprach der Herr ein Wort,
Das sich vermaß gar viel."

Sprach Kurt: "Ich sag' es rund,
Viel lieber den Wolf im Stall,
Als eines Weibes Mund
Zum Hüter in solchem Fall."

Da sah der Graf sie an,
Zu Einem und zu Zwein;
Drauf sprach zur Fraue der Mann:
"Wohl weiß ich, du bist mein.

Als du gefangen lagst
Um mich ein ganzes Jahr
Und keine Silbe sprachst:
Da ward deine Treu' mir klar.

So schwöre mir denn sogleich:
Sei's wenig oder auch viel,
Was du vernahmst am Teich,
Dir sei's wie Rauch und Spiel.

Als seie nichts geschehn,
So muss ich völlig meinen;
Darf dich nicht weinen sehn,
Darfst mir nicht bleich erscheinen.

Denk' nach, denk' nach, Allgund!
Was zu verheißen Not.
Die Wahrheit spricht dein Mund,
Ich weiß, und brächt' es Tod."

Und konnte sie sich besinnen,
Verheißen hätte sie's nie;
So war sie halb von Sinnen,
Sie schwur, und wusste nicht wie.

II
Und als das Morgengrau
In die Kemnate sich stahl,
Da hatte die werte Frau
Geseufzt schon manches Mal;

Manch Mal gerungen die Hand,
Ganz heimlich wie ein Dieb;
Rot war ihrer Augen Rand,
Todblass ihr Antlitz lieb.

Drei Tage kredenzt' sie den Wein
Und saß beim Mahle drei Tag',
Drei Nächte in steter Pein
In der Waldkapelle sie lag.

Wenn er die Wacht besorgt,
Der Torwart sieht sie gehn,
Im Walde steht und horcht
Der Wilddieb dem Gestöhn.

Am vierten Abend sie saß
An ihres Herren Seit',
Sie dreht' die Spindel, er las,
Dann sahn sie auf, alle beid'.

"Allgund, bleich ist dein Mund!"
"Herr, 's macht der Lampe Schein."
"Deine Augen sind rot, Allgund!"
"'s drang Rauch vom Herde hinein.

"Auch macht mir's schlimmen Mut,
Dass heut vor fünfzehn Jahren
Ich sah meines Vaters Blut;
Gott mag die Seele wahren!

Lang ruht die Mutter im Dom,
Sind Wen'ge mir verwandt,
Ein' Muhm' noch und ein Ohm:
Sonst ist mir keins bekannt."

Starr sah der Graf sie an:
"Es steht dem Weibe fest,
Dass um den ehlichen Mann
Sie Ohm und Vater lässt."

"Ja, Herr! so muss es sein.
Ich gäb' um Euch die zweie
Und mich noch obendrein,
Wenn's sein müsst', ohne Reue.

Doch, dass nun dieser Tag
Nicht gleich den andern sei,
Lest, wenn ich bitten mag,
Ein Sprüchlein oder zwei."

Und als die Fraue klar
Darauf das heil'ge Buch
Bot ihrem Gatten dar,
Es auf von selber schlug.

Mit Einem Blicke er maß
Der nächsten Sprüche einen;
"Mein ist die Rach'", er las;
Das will ihm seltsam scheinen.

Doch wie so fest der Mann
Auf Frau und Bibel blickt,
Die saß so still und spann,
Dort war kein Blatt geknickt.

Um ihren schönen Leib
Den Arm er düster schlang:
"So nimm die Laute, Weib,
Sing' mir einen lust'gen Sang!" –

"O Herr! mag's Euch behagen,
Ich sing' ein Liedlein wert,
Das erst vor wenig Tagen
Mich ein Minstrel gelehrt.

"Der kam so matt und bleich,
Wollt' nur ein wenig ruhn
Und sprach: im oberen Reich
Sing' man nichts Anderes nun."

Drauf, wie ein Schrei verhallt,
Es durch die Kammer klingt,
Als ihre Finger kalt
Sie an die Saiten bringt:

"Johann! Johann! was dachtest du
An jenem Tag,
Als du erschlugst deine eigne Ruh'
Mit Einem Schlag?
Verderbtest auch mit dir zugleich
Deine drei Gesellen;
O, sieh nun ihre Glieder bleich
Am Monde schwellen!

Weh dir, was dachtest du, Johann,
Zu jener Stund'?
Nun läuft von dir verlornem Mann
Durchs Reich die Kund'!
Ob dich verbergen mag der Wald,
Dich wird's ereilen;
Horch nur, die Vögel singen's bald,
Die Wölf' es heulen!

O weh! das hast du nicht gedacht,
Johann! Johann!
Als du die Rache wahr gemacht
Am alten Mann.
Und wehe! nimmer wird der Fluch
Mit dir begraben,
Dir, der den Ohm und Herrn erschlug,
Johann von Schwaben!"

Aufrecht die Fraue bleich
Vor ihrem Gatten stand,
Der nimmt die Laute gleich,
Er schlägt sie an die Wand.

Und als der Schall verklang,
Da hört man noch zuletzt,
Wie er die Hall' entlang
Den zorn'gen Fußtritt setzt.

III
Von heut' am siebenten Tag'
Das war eine schwere Stund',
Als am Balkone lag
Auf ihren Knien Allgund.

Laut waren des Herzens Schläge:
"O Herr! erbarme dich mein,
Und bracht' ich Böses zuwege,
Mein sei die Buß' allein."

Dann beugt sie tief hinab,
Sie horcht und horcht und lauscht:
Vom Wehre tost es herab,
Vom Forste drunten es rauscht.

War das ein Fußtritt? nein!
Der Hirsch setzt über die Kluft.
Sollt' ein Signal das sein?
Doch nein, der Auerhahn ruft.

"O mein Erlöser, mein Hort!
Ich bin mit Sünde beschwert,
Sei gnädig und nimm mich fort,
Eh' heim mein Gatte gekehrt!

Ach, wen der Böse umgarnt,
Dem alle Kraft er bricht!
Doch hab' ich ja nur gewarnt,
Verraten, verraten ja nicht!

Weh! das sind Rossestritte."
Sie sah sie fliegen durchs Tal
Mit wildem grimmigen Ritte,
Sie sah auch ihren Gemahl.

Sie sah ihn dräuen, genau,
Sie sah ihn ballen die Hand;
Da sanken die Knie der Frau,
Da rollte sie über den Rand.

Und als, zum Schlimmen entschlossen,
Der Graf sprengt' in das Tor,
Kam Blut entgegen geflossen,
Drang unterm Gitter hervor.

Und als er die Hände sah falten
Sein Weib in letzter Not,
Da konnt' er den Zorn nicht halten,
Bleich ward sein Gesicht so rot.

"Weib, das den Tod sich erkor!"
"'s war nicht mein Wille", sie sprach,
Noch eben bracht' sie's hervor.
"Weib, das seine Schwüre brach!"

Wie Abendlüfte verwehen,
Noch einmal haucht sie ihn an;
"Es musst' eine Sünde geschehen –
Ich hab' sie für dich getan!"

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Annette von Droste-Hülshoff  (Balladen)

Die Vendetta
I
Ja, einen Feind hat der Kors', den Hund,
Luigi, den hagern Podesta,
Der den Ohm, so stark und gesund,
Ließ henken, den kühnen di Vesta.
Er und der rote Franzose Jocliffe,
Die beiden machten ihn hangen,
Aber der ging zu dem Schmugglerschiff
Und liegt seit Monden gefangen.

Steht im Walde Geronimo,
Und klirrend zieht aus der Scheide
Er das Messer, so und so
An der Sohle wetzt er die Schneide;
Gleitet dann in die Dämmerung,
Dem Feinde auf Tod und Leben
Mit des Tieres Verstümmelung
Ein korsisch Kartell zu geben.

Schau! wie Zweig an Zweige er streicht,
– Kaum flüsternd die Blätter schwanken, –
Gleich der gleißenden Boa leicht
Hinquillt durch Gelaub und Ranken;
Drüber träufelt das Mondenlicht,
Wie heimlicher Träne Klage
Durch eine dunkele Wimper bricht.
Nun kniet der Korse am Hage.

Dort der Anger, – und dort am Hang
Die einsam weidende Stute,
Langsam schnaubt sie den Rain entlang;
Aus andalusischem Blute,
Hoch, schneeschimmernd, zum Grund gebeugt
Den mähnumfluteten Nacken,
Nah sie, näher dem Hagen steigt –
Nun wird der Korse sie packen!

Schon erfasst er der Schneide Griff,
Er reckt sich über dem Kraute,
Da – ein Geknister und – still! ein Pfiff,
Und wieder – summende Laute!
Und es schreitet dem Hage zu,
Grad' wo Geronimo knieet,
Nieder gleitet der Kors' im Nu,
Ha, wie er keuchet und glühet!

Dicht an ihm – der Mantel streift,
Die Ferse könnt' er ihm fassen –
Steht der hagre Podest' und pfeift;
"Sorella!" ruft er gelassen,
Und "Sorella, mein kluges Tier!"
Der Lauscher höret es stampfen,
Über ihm, mit hellem Gewieh'r,
Zwei schnaubende Nüstern dampfen.

Freundlich klatscht Luigi den Bug,
Liebkosend streicht er die Mähnen,
Hat nicht zärtlicher Worte genug,
Er spricht wie zu seiner Schönen.
Ein Blitz aus glühendem Aug',
Und rückwärts taumelt die Stute.
"Ei, Sorella, was fehlt dir auch?
Mein Töchterchen, meine Gute."

Kandiszucker langt er hervor;
Ha, wie ihre Nüstern blasen!
Wie sie naschet, gespitzt das Ohr,
Und immer glotzet zum Rasen!
Einen Blick der Podesta scheu
Schießt über die glitzernde Aue,
Rückt am Dolche, und dann aufs neu:
"Mein Schimmelchen, meine Graue!"

Wie er über den Hag sich biegt,
Am Nacken des Tieres gleitet,
Auf Gerominos Auge liegt
Des Feindes Mantel gebreitet;
O, nie hat so heiß und schwer
Geronimo, nie gelegen,
Jede Muskel im Arm fühlt er
Wie eine Viper sich regen.

Doch er ist ein gläubiger Christ,
Geht jede Woche zur Beichte,
Hat voll Andacht noch heut geküsst
Christoforos heilige Leuchte.
Sünde wär's,  das Messer im Schlund
Des Ungewarnten zu bergen,
Sonst – alleine, allein der Hund!
Bewaffnet und ohne Schergen!

Eine Minute, die schnell vergeht,
Der Korse gen Himmel schaute,
Zum Patrone ein Stoßgebet,
Dann fährt er empor vom Kraute;
Blank die Waffe, den Bug geschlitzt,
Dann wie ein Vogel zum Walde –
Schreiend vom Hange die Stute blitzt,
Der Richter starrt an der Halde.

II
Mittagsstunde – der Sonnenpfeil
Prallt an des Weihen Gefieder,
Der vom Gesteine grau und steil
Blinzt in die Pinien nieder.
Schwarz der Wald, eine Wetternacht,
Die aus dem Äther gesunken,
Drüber der Strahl in Siegespracht
Tanzt auf dem Feinde wie trunken.

Plötzlich zuckt, es flattert der Weih
Und klatscht in taumelnden Ringen,
Überm Riffe sein wilder Schrei,
Dann steigt er, wiegend die Schwingen;
Und am Grunde es stampft und surrt,
Hart unter dem Felsenmale,
Netz im Haare, Pistol' im Gurt,
Zwölf Schergen reiten zu Tale.

Wo den Schatten verkürzt das Riff
Wirft über die zitternde Aue,
Starrt gefesselt der rote Jocliffe
Hinauf zum Vogel ins Blaue.
Dürr seine Zunge – kein Tropfen labt –
Er lacht in grimmigem Hohne,
Neben ihm der Podesta trabt
Und pfeift sich eine Kanzone.

Rüstig stampfen die Rosse fort,
Dann "Halt! " Es lagert die Bande;
Hier ein Scherge, ein anderer dort,
Gestreckt im knisternden Sande.
Die Zigarre lässt an den Grund
Ihr bläuliches Wölkchen schwehlen,
Und der Schlauch, von Mund zu Mund,
Strömt in die durstigen Kehlen.

Wie so lockend die Taube lacht
Aus grünem, duftigem Haine!
Von den Zwölfen heben sich acht,
Sie schlendern entlang das Gesteine,
Lässig, spielend, so sorgenbar
Wie junge Geier im Neste,
Dieser zupfet des Nachbars Haar,
Der schnitzelt am Zwiebelreste.

Einer so nach dem andern schwankt
Ins Grün' aus der sengenden Hitze,
Halt! wie elektrisch Feuer rankt
Von Aug' zu Aug' ein Geblitze.
Horch, sie flüstern! Zwei und zwei,
Die Pinien streifen sie leise,
Wie die Hinde witternd und scheu
Schlüpft über befahrene Gleise.

Zwei am Hange und zwei hinab
Und vier zur Rechten und Linken,
Sachte beugen den Ast sie ab,
Ihre Augen wie Vipern blinken,
Da – im Moose ein dürrer Baum
Mit wunderlich brauner Schale –
Hui! ein Pfiff auf gekrümmtem Daum –
Und dort – und drunten im Tale.

Fährt vom Moose Geronimo,
Und eh ihn die Schergen umschlingen,
Wie im Haid' die knisternde Loh',
Ha! sieh ihn flattern und springen!
Knall auf Knall, eine Kugel pfeift
Ihm durch der Retilla Knoten,
Blutend er an dem Gesteine läuft
Bis zum Jocliffe, dem roten.

Hoch die Rechte – will er schnell
Sich rächen zu dieser Stunde!
Nein, am Rosse schreibt das Kartell
Er rasch mit klaffender Wunde.
Hoch die Linke – es knallt, es blitzt,
Und taumelnd sinkt der Podesta;
Ruft der Korse: "So hab' es itzt,
Du Hund, für den kühnen di Vesta!"

O Geronimo! hätten dich fort,
Fort, fort deine Sprünge getragen,
Als die einen am Rufe dort,
Die andern klommen am Hagen!
Schwerlich heute, so mein' ich klar,
Sie würden die Stadt erschrecken
Mit der Leiche auf grüner Bahr'
Und mit dir, gebunden am Schecken!

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Annette von Droste-Hülshoff  (Balladen)

Die Vergeltung
I
Der Kapitän steht an der Spiere,
Das Fernrohr in gebräunter Hand,
Dem schwarzgelockten Passagiere
Hat er den Rücken zugewandt.
Nach einem Wolkenstreif in Sinnen
Die beiden wie zwei Pfeiler sehn,
Der Fremde spricht: "Was braut da drinnen?"
"Der Teufel", brummt der Kapitän.

Da hebt von morschen Balkens Trümmer
Ein Kranker seine feuchte Stirn,
Des Äthers Blau, der See Geflimmer,
Ach, alles quält sein fiebernd Hirn!
Er lässt die Blicke, schwer und düster,
Entlängs dem harten Pfühle gehn,
Die eingegrabnen Worte liest er:
"Batavia. Fünfhundert Zehn."

Die Wolke steigt, zur Mittagsstunde
Das Schiff ächzt auf der Wellen Höhn,
Gezisch, Geheul aus wüstem Grunde,
Die Bohlen weichen mit Gestöhn.
"Jesus, Marie! wir sind verloren!"
Vom Mast geschleudert der Matros,
Ein dumpfer Krach in aller Ohren,
Und langsam löst der Bau sich los.

Noch liegt der Kranke am Verdecke,
Um seinen Balken fest geklemmt,
Da kömmt die Flut, und eine Strecke
Wird er ins wüste Meer geschwemmt.
Was nicht geläng der Kräfte Sporne,
Das leistet ihm der starre Krampf,
Und wie ein Narwall mit dem Horne
Schießt fort er durch der Wellen Dampf.

Wie lange so? er weiß es nimmer,
Dann trifft ein Strahl des Auges Ball,
Und langsam schwimmt er mit der Trümmer
Auf ödem glitzerndem Kristall.
Das Schiff! – die Mannschaft! – sie versanken.
Doch nein, dort auf der Wasserbahn,
Dort sieht den Passagier er schwanken
In einer Kiste morschem Kahn.

Armselge Lade! sie wird sinken,
Er strengt die heisre Stimme an:
"Nur grade! Freund, du drückst zur Linken!"
Und immer näher schwankt's heran,
Und immer näher treibt die Trümmer,
Wie ein verwehtes Möwennest;
"Courage!" ruft der kranke Schwimmer,
"Mich dünkt ich sehe Land im West!"

Nun rühren sich der Fähren Ende,
Er sieht des fremden Auges Blitz,
Da plötzlich fühlt er starke Hände,
Fühlt wütend sich gezerrt vom Sitz.
"Barmherzigkeit! ich kann nicht kämpfen."
Er klammert dort, er klemmt sich hier;
Ein heisrer Schrei, den Wellen dämpfen,
In Balken schwimmt der Passagier.

Dann hat er kräftig sich geschwungen,
Und schaukelt durch das öde Blau,
Er sieht das Land wie Dämmerungen
Enttauchen und zergehn in Grau.
Noch lange ist er so geschwommen,
Umflattert von der Möwe Schrei,
Dann hat ein Schiff ihn aufgenommen,
Viktoria! nun ist er frei!

II
Drei kurze Monde sind verronnen,
Und die Fregatte liegt am Strand,
Wo mittags sich die Robben sonnen,
Und Bursche klettern übern Rand,
Den Mädchen ist's ein Abenteuer
Es zu erschaun vom fernen Riff,
Denn noch zerstört ist nicht geheuer
Das greuliche Korsarenschiff.

Und vor der Stadt da ist ein Waten,
Ein Wühlen durch das Kiesgeschrill,
Da die verrufenen Piraten
Ein jeder sterben sehen will.
Aus Strandgebälken, morsch, zertrümmert,
Hat man den Galgen, dicht am Meer,
In wüster Eile aufgezimmert.
Dort dräut er von der Düne her!

Welch ein Getümmel an den Schranken! –
"Da kömmt der Frei – der Hessel jetzt –
Da bringen sie den schwarzen Franken,
Der hat geleugnet bis zuletzt."
"Schiffbrüchig sei er hergeschwommen",
Höhnt eine Alte: "Ei, wie kühn!
Doch keiner sprach zu seinem Frommen,
Die ganze Bande gegen ihn."

Der Passagier, am Galgen stehend,
Hohläugig, mit zerbrochnem Mut,
Zu jedem Räuber flüstert flehend:
"Was tat dir mein unschuldig Blut!
Barmherzigkeit! – so muss ich sterben
Durch des Gesindels Lügenwort,
O mög die Seele euch verderben!"
Da zieht ihn schon der Scherge fort.

Er sieht die Menge wogend spalten –
Er hört das Summen im Gewühl –
Nun weiß er, daß des Himmels Walten
Nur seiner Pfaffen Gaukelspiel!
Und als er in des Hohnes Stolze
Will starren nach den Ätherhöhn,
Da liest er an des Galgens Holze:
"Batavia. Fünfhundert Zehn."

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Annette von Droste-Hülshoff (Balladen)

Balladen Der Knabe im Moor

     

O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt!  –
O schaurig ist's übers Moor zu gehn,  
Wenn das Röhricht knistert im Hauche! 

    

Fest hält die Fibel das zitternde Kind
Und rennt als ob man es jage; 
Hohl über die Fläche sauset der Wind  –
Was raschelt drüben am Hage? 
Das ist der gespenstige Gräberknecht,
Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
Hu,  hu,  es bricht wie ein irres Rind!
Hinducket das Knäblein zage. 

    

Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
Unheimlich nicket die Föhre
,
Der Knabe rennt,  gespannt das Ohr,  
Durch Riesenhalme wie Speere;
Und wie es rieselt und knittert darin!
Das ist die unselige Spinnerin,   
Das ist die gebannte Spinnlenor',
Die den Haspel dreht im Geröhre!

       

Voran, voran, nur immer im Lauf,
Voran als woll' es ihn holen!
Vor seinem Fuße brodelt es auf,
Es pfeift ihm unter den Sohlen
Wie eine gespenstige Melodei;
Das ist der Geigemann ungetreu,
Das ist der diebische Fiedler Knauf,
Der den Hochzeitheller gestohlen!  

    

Da birst das Moor,  ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
"Ho, ho, meine arme Seele!"
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär'  nicht Schutzengel in seiner Näh',
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

    

Da mählich gründet der Boden sich,
Und drüben,  neben der Weide,
Die Lampe flimmert so heimatlich,
Der Knabe steht an der Scheide.   
Tief atmet er auf,  um Moor zurück
Noch immer wirft er den scheuen Blick:
Ja,  im Geröhre war's fürchterlich,
O schaurig war's in der Heide!

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Balladen Johann Wolfgang von Goethe (Balladen)

Der Erlkönig

    

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
er fasst ihn sicher,  er hält ihn warm.

    

Mein Sohn,  was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst,  Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig,  mit Kron' und Schweif! -
Mein Sohn,  es ist ein Nebelstreif. -!

    

Du liebes Kind,  komm geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir,
Manch'  bunte Blumen sind an dem Strand,
meine Mutter hat manch gülden Gewand. -

    

Mein Vater,  mein Vater,  und hörest du nicht
was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig,  bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

    

Willst,  feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
und wiegen und tanzen und singen dich ein. -

    

Mein Vater,  mein Vater und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
Mein Sohn,  mein Sohn!  Ich seh es genau!
Es scheinen die alten Weiden so grau! -

    

Ich liebe dich!  Mich reizt deine schöne Gestalt;
und bist du nicht willig,  so brauch' ich Gewalt. -
Mein Vater,  mein Vater,  jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

     

Den Vater grauset's,  er reitet geschwind,
er hält in den Armen das ächzende Kind,
erreicht den Hof mit Müh und Not;
in seinen Armen das Kind war tot.

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Balladen Gustav Schwab (Balladen)

Der Reiter vom Bodensee

    

Der Reiter reitet durchs helle Tal,
aufs Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.
    
Er trabet im Schweiß durch den kalten Schnee,
er will noch heut’ an den Bodensee.
    
Noch heut mit dem Pferd an den sichern Kahn,
will drüben landen vor Nacht noch an.
    
Auf schlimmem Weg über Dorn und Stein,
er braust auf rüstigem Ross feldein.
    
Aus den Bergen heraus, ins ebene Land,
da sieht er den Schnee sich dehnen wie Sand.
    
Weit hinter ihm schwindet Dorf und Stadt,
der Weg wird eben,  die Bahn wird glatt.
    
In weiter Fläche kein Bühl,  kein Haus,
die Bäume gingen,  die Felsen aus;
    
So flieget er hin eine Meile und zwei,
er hört in den Lüften der Schneegans Schrei;
    
Es flattert das Wasserhuhn empor,
nicht anderen Laut vernimmt sein Ohr.
    
Keinen Wandersmann sein Auge schaut,
der ihm den rechten Pfad vertraut. 
    
Fort geht’s wie auf Samt,  auf dem weichen Schnee.
Wann rauscht das Wasser?  Wann glänzt der See?
    
Da bricht der Abend,  der frühe,  herein,
von Lichtern blinket ein ferner Schein.
    
Es hebt aus den Nebeln sich Baum an Baum,
und Hügel schließen den weiten Raum.
    
Er spürt auf dem Boden Stein und Dorn,
dem Rosse gibt er den scharfen Sporn.
    
Und Hunde bellen empor am Pferd,
und es winkt im Dorf ihm der warme Herd.
    
„Willkommen am Fenster,  Mägdelein, 
an den See,  an den See,  wie weit mag’ s sein?“
    
Die Maid,  die staunet den Reiter an:
„Der See liegt hinter dir und der Kahn.
    
Und deckt’  ihn die Rinde mit Eis nicht zu,
ich spräch’,  aus dem Nachen stiegest du.“
   
Der Fremde schaudert, er atmet schwer:
„Dort hinten die Ebene,  die ritt ich her!“
    
Da recket die Magd die Arm’  in die Höh:
„Herr Gott,  so rittest du über den See!
    
An den Schlund,  an die Tiefe bodenlos
Hat gepocht des rasenden Hufes Stoß!
    
Und unter dir zürnten die Wasser nicht?
Nicht krachte hinunter die Rinde dicht?
    
Und warst nicht die Speise der stummen Brut,
der hungrigen Hecht’  in der kalten Flut?“
    
Sie rufet das Dorf herbei zu der Mär,
es stellen die Knaben sich um ihn her; 
    
Die Mütter,  die Greise, sie sammeln sich:
„Glückseliger Mann,  ja segne du dich! 
    
Herein zum Ofen,  zum dampfenden Tisch,
brich mit uns das Brot und iss vom Fisch!“
    
Der Reiter erstarret auf seinem Pferd,
er hat nur das erste Wort gehört.
    
Es stocket sein Herz,  es sträubt sich sein Haar,
dicht hinter ihm grinst noch die grause Gefahr.
    
Es siehet sein Blick nur den grässlichen Schlund,
sein Geist versinkt in den schwarzen Grund.
    
Im Ohre donnerts  wie krachend Eis,
wie die Well’  umrieselt ihn kalter Schweiß.
    
Da seufzt er,  da sinkt er vom Ross herab,
da ward ihm am Ufer ein trocken Grab
.

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Balladen Theodor Fontane  (Balladen)

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

   

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
ein Birnbaum in seinem Garten stand,
und kam die goldene Herbsteszeit
und die Birnen leuchteten weit und breit,  
da stopfte,  wenn's Mittag vom Turme scholl,
der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
und kam in Pantinen ein Junge daher,  
so rief er:  "Junge, wist' 'ne Beer?"
und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,
kumm man röwer,  ich hebb' 'ne Birn."

    

So ging es viel Jahre, bis lobesam
der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
wieder lachten die Birnen weit und breit,
da sagte von Ribbeck:  "Ich scheide nun ab,
legt mir eine Birne mit ins Grab."
Und drei Tage drauf,  aus dem Doppeldachhaus,
trugen von Ribbeck sie hinaus,  
alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
sangen "Jesus meine Zuversicht", 
und die Kinder klagten,  das Herze schwer:
"He is dod nu.  Wer giwt uns nu 'ne Beer?"

    

So klagten die Kinder. Das war nicht recht,
ach,  sie kannten den alten Ribbeck schlecht.   
Der neue freilich,  der knausert und spart,
hält Park und Birnbaum strenge verwahrt,
aber der alte, vorahnend schon   
und voll Misstrau'n  gegen den eigenen Sohn,
der wusste genau,  was damals er tat, 
als um eine Birn'  ins Grab er bat,
und im dritten Jahr,  aus dem stillen Haus
ein Birnbaumsprössling sprosst heraus.

    

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab, 
und in der goldenen Herbsteszeit
leuchtet's wieder weit und breit.   
Und kommt ein Jung'  über'n Kirchhof her,
so flüstert's im Baume:  "Wiste 'ne Beer?"
Und kommt ein Mädel,  so flüstert's:  "Lütt Dirn,
kumm man röwer,  ich gew' di 'ne Birn." 
So spendet Segen noch immer die Hand 
des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

 

Balladen Mehr Gedichte und Balladen...

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Friedrich von Schiller (Balladen)

Der Handschuh

 

Vor seinem Löwengarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Franz,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und rings auf hohem Balkone
Die Damen in schönem Kranz.
Und wie er winkt mit dem Finger,
Auf tut sich der zweite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein Löwe tritt,
Und sieht sich stumm
Rings um
Mit langem Gähnen
Und schüttelt die Mähnen
Und streckt die Glieder
Und legt sich nieder.

Und der König winkt wieder. -
Da öffnet sich behend

Ein zweites Tor,
Daraus rennt
Mit wildem Sprunge
Ein Tiger hervor.
Wie er den Löwen erschaut,
Brüllt er laut,
Schlägt mit dem Schweif
Einen furchtbaren Reif
Und recket die Zunge,
Und im Kreise scheu
Umgeht er den Leu,
Grimmig schnurrend;
Drauf streckt er sich murrend
Zur Seite nieder.

Und der König winkt wieder. -
Da speit das doppelt geöffnete Haus
Zwei Leoparden auf einmal aus.
Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
Auf das Tigertier;
Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen.
Und der Leu mit Gebrüll
Richtet sich auf, da wird's still;
Und herum im Kreis,
Von Mordsucht heiß,
Lagern sich die gräulichen Katzen.

Da fällt von des Altans Rand
Ein Handtuch von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leu'n
Mitten hinein.

Und zu Ritter Delorges, spottender Weis',
Wendet sich Fräulein Kunigunde:
"Herr Ritter, ist eure Liebe so heiß,
Wie ihr mir's schwört zu jeder Stunde,
Ei, so hebt mir den Handschuh auf!"

Und der Ritter in schnellem Lauf
Steigt hinab in den furchtbar'n Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der Ungeheuer Mitte
Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.

Und mit Erstaunen und mit Grauen
Sehen's die Ritter und Edelfrauen,
Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde.
Aber mit zärtlichem Liebesblick -
Er verheißt ihm sein nahes Glück -
Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
Und er wirft ihr den Handschuh in's Gesicht.
"Den Dank, Dame, begehr' ich nicht!"
Und verlässt sie zur selben Stunde.

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Johann Wolfgang von Goethe (Balladen)

Der Zauberlehrling

 

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben;
Seine Wort' und Werke
Merkt' ich, und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu' ich Wunder auch.

Walle!  Walle
Manche Strecke,
Dass,  zum Zwecke,
Wasser fließe, 
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sein ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf.

Walle! Walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe,
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! Ist schon an dem Flusse
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier im raschen Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! sehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! -
Ach, ich merk' es! Wehe! wehe!
Hab' ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!  
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach!  und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Rein, nicht länger
Kann ich's lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird im immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O, du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh' ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,  
Der nicht hören will! 
Stock, der du gewesen,  
Steh doch wieder still!

Willst's am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen
Will dich halten,  
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nun auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! Brav getroffen!
Steht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon, als Knechte,
Völlig fertig in der Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Nass und nässer
Wird's im Saal und auf den Stufen.
Welch' entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! Hör' mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd' ich nun nicht los.

"In die Ecke,
Besen!  Besen!
Seid's gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister."

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