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Heinrich Heine (Blumengedichte)

Es schauen die Blumen alle

 

Es schauen die Blumen alle
Zur leuchtenden Sonne hinauf;
Es nehmen die Ströme alle
Zum leuchtenden Meere den Lauf.


Es flattern die Lieder alle
Zu meinem leuchtenden Lieb
Nehmt mit meine Tränen und Seufzer,
Ihr Lieder, wehmütig und trüb!

top

 

 

Christian Morgenstern (Blumengedichte)

Von den heimlichen Rosen

Oh,  wer um alle Rosen wüsste, 
die rings in stillen Gärten stehn
oh,  wer um alle wüsste, müsste
wie im Rausch durchs Leben gehn.

Du brichst hinein mit rauhen Sinnen,
als wie ein Wind in einen Wald 
und wie ein Duft wehst du von hinnen,
dir selbst verwandelte Gestalt.

Oh,  wer um alle Rosen wüsste,
die rings in stillen Gärten stehn
oh,  wer um alle wüsste,  müsste 
wie im Rausch durchs Leben gehn.

top


Theodor Storm (Blumengedichte)

Blumenduft vom Nachbarfenster

 

Blumenduft vom Nachbarfenster
Weht der Wind zu mir herein,
Und es scheint ein Gruß der Liebe 
Aus der Ferne mir zu sein.

top

 

 

Johann Wolfgang von Goethe  (Blumengedichte)

Gleich und gleich

    

Ein Blumenglöckchen
Vom Boden hervor
War früh gesprosset
In lieblichem Flor;

     

Da kam ein Bienchen
Und naschte fein: -
Die müssen wohl beide
Füreinander sein.

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Rainer Maria Rilke   (Blumengedichte)

Blaue Hortensie

 

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter,  trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden,  die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden,  und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

top


Christian Morgenstern   (Blumengedichte)

Butterblumengelbe Wiesen

    

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt,  -
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!

    

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift  -
ja, fürwahr,  ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.

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Clemens Brentano  (Blumengedichte)

Süßer August, du Quell des Lebens

 

Süßer August,  du Quell des Lebens 
bist so süßer Blumen voll 
Liebe sucht auch nicht vergebens  
wem sie  Kränze winden soll.
 

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Clara Roselli (Liebesgedichte) (Blumengedichte)

Wenn Wind die Sonne liebt

 

Wenn

Wind die

 Sonne liebt

verführe mich

bis der Tau

morgens tropft,

führe nicht verstreue

Zärtlichkeit auf Wiesen

 und pflücke die Blumen der Nacht

für alle

Sonnenaufgänge

die

Lustwolken unserer Nächte

nähren meinen Garten

in der Mitte des Sommers

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Hoffmann von Fallersleben  (Blumengedichte)

Sehnsucht nach dem Frühling
    
Auf die Berge möcht' ich fliegen,
möchte sehn ein grünes Tal,
möcht' in Gras und Blumen liegen
und mich freun am Sonnenstrahl.

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Ludwig Heinrich Christoph Hölty (Blumengedichte)

Frühlingslied

 

Die Luft ist blau,  das Tal ist grün,
die kleinen Maienglocken blühn
und Schlüsselblumen drunter;
der Wiesengrund ist schon so bunt
und malt sich täglich bunter. 

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Matthias Claudius  (Blumengedichte)

Jeden Morgen in meinem Garten

 

Jeden Morgen in meinem Garten
öffnen neue Blüten sich dem Tag.
Überall ein heimliches Erwarten,
das nun länger nicht mehr zögern mag
Die Lenzgestalt der Natur ist doch wunderschön,
wenn der Dornbusch blüht und die Erde
mit Gras und Blumen prangert.

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Charlotte von Ahlefeld  (Blumengedichte)

Glück der Liebe

    

Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe
Wie er flatternd über Blumen schwebt,  
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück. 

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Rainer Maria Rilke  (Blumengedichte)

Rosa Hortensie

 

Wer nahm das Rosa an?
Wer wusste auch,  dass es sich sammelte in diesen Dolden?
Wie Dinge unter Gold,  die sich entgolden,
entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch.
Dass sie für solches Rosa nichts verlangen.
Bleibt es für sie und lächelt aus der Luft?
Sind Engel da,  es zärtlich zu empfangen,
wenn es vergeht,  großmütig wie ein Duft?
Oder vielleicht auch geben sie es preis,
damit es nie erführe vom Verblühn.
Doch unter diesem Rosa hat ein Grün
gehorcht,  das jetzt verwelkt und alles weiß.

top


Johann Gottfried Herder  (Gedichte über das Leben)

Lied des Lebens

    

Flüchtiger  als Wind und Welle
Flieht die Zeit; was hält sie auf?
Sie genießen auf der Stelle,
Sie ergreifen schnell im Lauf;
Das, ihr Brüder, hält ihr Schweben,
Hält die Flucht der Tage ein.
Schneller Gang ist unser  Leben,
Lasst uns Rosen auf ihn streun.

     

Rosen; denn die Tage sinken         
In des Winters Nebelmeer.
Rosen; denn sie blühn und blinken
Links und rechts noch um uns her.                   
Rosen stehn auf jedem Zweige
Jeder schönen Jugendtat.    
Wohl ihm, der bis auf die Neige 
Rein gelebt sein Leben hat.

     

Tage, werdet uns zum Kranze 
Der des Greises Schläf' umzieht
Und um sie in frischem Glanze
Wie ein Traum der Jugend blüht.
Auch die dunkeln Blumen kühlen              
Uns mit Ruhe,  doppelt-süß;
Und die lauen Lüfte spielen
Freundlich uns ins Paradies.  

top


Georg Trakl (Herbstgedichte)

Die Sonnenblumen - Im Herbst

 

Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,
Still sitzen Kranke im Sonnenschein.
Im Acker müh'n sich singend die Frau'n,
Die Klosterglocken läuten darein.

Die Vögel sagen dir ferne Mär,
Die Klosterglocken läuten darein.
Vom Hof tönt sanft die Geige her.
Heut keltern sie den braunen Wein.

Da zeigt der Mensch sich froh und lind.
Heut keltern sie den braunen Wein.
Weit offen die Totenkammern sind
Und schön bemalt vom Sonnenschein.

top


Ferdinand Freiligrath Gedichte

Der Blumen Rache

 

Auf des Lagers weichem Kissen
Ruht die Jungfrau,   schlafbefangen,
Tief gesenkt,   die braune Wimper,
Purpur auf den heißen Wangen.


Schimmernd auf dem Binsenstuhle
Steht der Kelch,   der reichgeschmückte,
Und im Kelche prangen Blumen,
Duft'ge,   bunte,   frischgepflückte.

Brütend hat sich dumpfe Schwüle
Durch das Kämmerlein ergossen,
Denn der Sommer scheucht die Kühle,
Und die Fenster sind verschlossen.

Stille rings und tiefes Schweigen!
Plötzlich,   horch! ein leises Flüstern!
In den Blumen,   in den Zweigen
Lispelt es und rauscht es lüstern.

Aus den Blütenkelchen schweben
Geistergleiche Duftgebilde,
Ihre Kleider zarte Nebel,
Kronen tragen sie und Schilde.

Aus dem Purpurschoß der Rose
Hebt sich eine schlanke Frau,
Ihre Locken flattern lose,
Perlen blitzen drin,   wie Tau.

Aus dem Helm des Eisenhutes
Mit dem dunkelgrünen Laube
Tritt ein Ritter kecken Mutes,
Schwert erglänzt und Pickelhaube.

Auf der Haube nickt die Feder
Von dem Silbergrauen Reiher.
Aus der Lilie schwankt ein Mädchen,
Dünn,   wie Spinnweb',   ist ihr Schleier.

Aus dem Kelch des Türkenbundes
Kommt ein Neger stolz gezogen,
Licht auf seinem grünen Turban
Glüht des Halbmonds gold'ner Bogen.

Prangend aus der Kaiserkrone
Schreitet kühn ein Zepterträger,
Aus der blauen Iris folgen
Schwertbewaffnet seine Jäger.

Aus den Blättern der Narzisse
Schwebt ein Knab' mit düstern Blicken,
Tritt an's Bett,   um heiße Küsse
Auf des Mädchens Mund zu drücken.

Doch um's Lager drehn und schwingen
Sich die andern wild im Kreise,
Drehn und schwingen sich,   und singen
Der Entschlaf'nen diese Weise:

"Mädchen,   Mädchen! Von der Erde
Hast du grausam uns gerissen,
Dass wir in der bunten Scherbe
Schmachten,   welken,   sterben müssen!

"O,   wie ruhten wir so selig
An der Erde Mutterbrüsten,
Wo,   durch grüne Wipfel brechend,
Sonnenstrahlen heiß uns küssten!

"Wo uns Lenzeslüfte kühlten,
Unsre schwanken Stengel beugend,
Wo wir Nachts als Elfen spielten,
Unserm Blätterhaus entsteigend.

"Hell umfloß uns Tau und Regen,
Jetzt umfließt uns trübe Lache,
Wir verblüh'n,   doch eh' wir sterben,
Mädchen! trifft dich uns're Rache."

Der Gesang verstummt,   sie neigen
Sich zu der Entschlaf'nen nieder.
Mit dem alten dumpfen Schweigen
Kehrt das leise Flüstern wieder.

Welch' ein Rauschen,   welch' ein Raunen!
Wie des Mädchens Wangen glühen!
Wie die Geister es anhauchen!
Wie die Düfte wallend ziehen!

Da begrüßt der Sonne Funkeln
Das Gemach,   die Schemen weichen.
Auf des Lagers Kissen schlummert
Kalt die lieblichste der Leichen.

Eine welke Blume selber,
Noch die Wange selbst gerötet,
Ruht sie bei den welken Schwestern,
Deren Geister sie getötet.

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 Bewertung ****** aktualisiert 01.01.2012 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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