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Stimme der Freiheit Gedichte

Joachim Ringelnatz  (Freiheit -Gedichte)
Drei Tage Tirol.


Ich bin nach Tirol gereist
Und hab das Zuhause vergessen.
Ich habe viel Freiheit gefressen
Und viel Gesellschaft gespeist.
Landschaften hab ich gesoffen
Und Illusionen geraucht.

Die Menschen, die ich getroffen,
Standen meist so zu den Sternen,
Dass man, um sie kennenzulernen,
Nicht erst zu verreisen braucht.

Das nennt man Drahtseilbahn: Es hing
Ein Zündholzschächtelchen an Zwirn.

Und ein Gewitter kam. – Das ging
Mir superior durch Herz und Hirn.

Wie tut ein wildes Wandern wohl,
Wenn man sein Einsamgehn durchleuchtet!

An allen Stellen angefeuchtet
Kam ich nach Hause aus Tirol.

Marie von Ebner-Eschenbach (Freiheit -Gedichte)
Gänsezug


Die erste Gans im Gänsezug,
Sie schnattert: "Seht, ich führe!"
Die letzte Gans im Gänsezug,
Sie schnattert: "Seht, ich leite!"

Und jede Gans im Gänsezug,
Sie denkt: " - Dass ich mich breite
So selbstbewusst, das kommt daher,
Weil ich, ein unumschränkter Herr,
Den Weg mir wähl nach eignem Sinn,
All meiner Schritte Schreiter bin
Und meine Freiheit spüre!

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Charlotte von Ahlefeld  (Freiheit -Gedichte)
Sonett


Als mir, von goldner Freiheit noch umfangen,
Des Daseins Fülle blühend sich erschloss,
Da war's ein dunkles, heiliges Verlangen,
Das über mich der Sehnsucht Flammen goss.

Da blickt ich froh und kühn in die Gefilde
Der Zukunft hin, von Morgenrot beglänzt;
Das Leben schien in ungetrübter Milde
Von der Natur mir tausendfach umkränzt.

Und doch - von allen Blüten, die es schmücken,
Von allen Freuden, die das Herz beglücken,
Verdient nur eine, dass man sie beweine.
Es ist das süße, trunkene Entzücken,
Das nur durch Schweigen wagt sich auszudrücken
In stummer Liebe seligem Vereine.

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