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Ferdinand Freiligrath - Gedichte

* 17. Juni 1810 in Detmold; † 18. März 1876

 

Dichter: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Themen: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

 

Ferdinand Freiligrath Gedichte (Auswanderergedichte)

Der Auswanderer

 

Allein,   allein! - und so will ich genesen?
Allein,   allein! - und das der Wildnis Segen!
Allein,   allein! - o Gott ein einzig Wesen,
Um dieses Haupt an seine Brust zu legen!

In meinem Dünkel hab ich mich vermessen:
"Ich will sie meiden,   die mein Treiben schelten.
Mir selbst genug,   will ich dieses Volk vergessen;
Fahr hin,   o Welt - im Herzen trag ich Welten!"

Ein einzig Jahr hat meinen Stolz gebrochen;
Mein Herz ist einsam,   und mein Aug ist trübe.
Es reut mich,   was frevelnd ich gesprochen;
Dem Hass entfloh ich,   aber auch der Liebe.

Allein,  allein! - und so will ich genesen?
Allein,  allein! - und das der Wildnis Segen?
Allein,  allein! - o Gott ein einzig Wesen,
Um dieses Haupt an seine Brust zu legen!  

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Ferdinand Freiligrath Gedichte (Waldgedichte) (Heimat)  

Die Tanne

 

Inmitten der Fregatte
Hebt sich der starke Mast
Mit Segel,  Flagg' und Matte:
Ihn beugt der Jahre Last.

Der schaumbedeckten Welle
Klagt zürnend er sein Leid: 
"Was hilft mir nun das helle, 
Das weiße Segelkleid?

Was helfen mir die Fahnen, 
Die schwanken Leiterstricke?
Ein starkes inn'res Mahnen 
Zieht mich zum Forst zurücke.

In meinen jungen Jahren
Hat man mich umgehauen.
Das Meer sollt' ich befahren
Und fremde Länder schauen.

Ich hab'  die See befahren:
Meekön'ge sah ich thronen;
Mit schwarzen und blonden Haaren
Sah ich die Nationen.

Isländisch Moos im Norden 
Grüßt'  ich auf Felsenspalten;
Mit Palmen auf südlichen Borden
Hab' Zwiesprach ich gehalten.

Doch nach dem Heimatberge 
Zieht mich ein starker Zug, 
Wo ich in's Reich der Zwerge
Die haarigen Wurzeln schlug.

O stilles Leben im Walde! 
O grüne Einsamkeit!
O blumenreiche Halde!
Wie weit seid ihr,  wie weit!"

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Ferdinand Freiligrath Gedichte (Ewige Liebe Gedichte)

Der Liebe Dauer

 

O lieb' so lang' du lieben kannst,  
O lieb' so lang' du lieben magst!
Die Stunde kommt,  die Stunde kommt,  
Wo du an Gräbern stehst und klagst.

Und sorge,  dass dein Herze glüht
Und Liebe hegt und Liebe trägt,  
So lang' ihm noch ein and'res Herz
In Liebe warm entgegenschlägt.

Und wer dir seine Brust erschließt,  
O tu' ihm,  was du kannst, zu lieb,  
Und mach' ihm jede Stunde froh,  
Und mach' ihm keine Stund trüb!

Und hüte deine Zunge wohl,  
Bald ist ein böses Wort gesagt.
"O Gott,  es war nicht bös' gemeint!"
Der And're aber geht und klagt.

O lieb',  so lang' du lieben kannst,  
O lieb',  so lang' du lieben magst!
Die Stunde kommt,   die Stunde kommt,  
Wo du an Gräbern stehst und klagst.

Dann kniest du nieder an der Gruft
Und birgst die Augen,  trüb und nass,   -
Sie seh'n den Andern nimmermehr,   -
In's lange,   feuchte Kirchhofsgras.

Und sprichst: "O schau auf mich herab,  
Der hier an deinem Grabe weint!
Vergib,  dass ich gekränkt dich hab',  
O Gott,  es war nicht bös' gemeint!"

Er aber sieht und hört dich nicht,  
kommt nicht,  dass du ihn froh empfängst;
Der Mund,  der oft dich küsste,   spricht
Nie wieder: "Ich vergab dir längst!"

Er tat's,  vergab dir lange schon,  
Doch manche heiße Träne fiel
Um dich und um dein herbes Wort.
Doch still - er ruht und ist am Ziel.

O lieb',  so lang' du lieben kannst,  
O lieb',  so lang' du lieben magst!
Die Stunde kommt,   die Stunde kommt,  
Wo du an Gräbern stehst und klagst.

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Ferdinand Freiligrath Gedichte (Ewige Liebe Gedichte)

Ruhe in der Geliebten

 

So lass mich sitzen ohne Ende,  
So lass mich sitzen für und für!
Leg' deine beiden frommen Hände
Auf die erhitzte Stirne mir!
Auf meinen Knien,  zu deinen Füßen
Da lass mich ruhn in trunkner Lust;
lass mich das Auge selig schließen
An deinem Arm,   an deiner Brust!

lass es mich öffnen nur dem Schimmer,  
Der deines wunderbar erhellt;
In dem ich raste nun für immer,  
O du mein Leben,  meine Welt!
Lass es mich öffnen nur der Träne,  
Die brennend heiß sich ihm entringt;
Die hell und lustig,   eh' ich's wähne,  
Durch die geschloss' ne Wimper springt!

So bin ich fromm,  so bin ich stille,  
So bin ich sanft,  so bin ich gut!
Ich habe dich  -  das ist die Fülle!
Ich habe dich  -  mein Wünschen ruht!
Dein Arm ist meiner Unrast Wiege,  
Vom Mohn der Liebe süß umglüht;
Und jeder deiner Atemzüge
Haucht mir ins Herz ein Schlummerlied!

Und jeder ist für mich ein Leben! -
Ha,   so zu rasten Tag für Tag!
Zu lauschen so mit sel'gem Beben
Auf uns'rer Herzen Wechselschlag!
In uns'rer Liebe Nacht versunken,  
Sind wir entflohn aus Welt und Zeit:
Wir ruhn und träumen,  wir sind trunken
In seliger Verschollenheit!

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Ferdinand Freiligrath Gedichte

Der Blumen Rache

 

Auf des Lagers weichem Kissen
Ruht die Jungfrau,   schlafbefangen,
Tief gesenkt,   die braune Wimper,
Purpur auf den heißen Wangen.


Schimmernd auf dem Binsenstuhle
Steht der Kelch,   der reichgeschmückte,
Und im Kelche prangen Blumen,
Duft'ge,   bunte,   frischgepflückte.

Brütend hat sich dumpfe Schwüle
Durch das Kämmerlein ergossen,
Denn der Sommer scheucht die Kühle,
Und die Fenster sind verschlossen.

Stille rings und tiefes Schweigen!
Plötzlich,   horch! ein leises Flüstern!
In den Blumen,   in den Zweigen
Lispelt es und rauscht es lüstern.

Aus den Blütenkelchen schweben
Geistergleiche Duftgebilde,
Ihre Kleider zarte Nebel,
Kronen tragen sie und Schilde.

Aus dem Purpurschoß der Rose
Hebt sich eine schlanke Frau,
Ihre Locken flattern lose,
Perlen blitzen drin,   wie Tau.

Aus dem Helm des Eisenhutes
Mit dem dunkelgrünen Laube
Tritt ein Ritter kecken Mutes,
Schwert erglänzt und Pickelhaube.

Auf der Haube nickt die Feder
Von dem Silbergrauen Reiher.
Aus der Lilie schwankt ein Mädchen,
Dünn,   wie Spinnweb',   ist ihr Schleier.

Aus dem Kelch des Türkenbundes
Kommt ein Neger stolz gezogen,
Licht auf seinem grünen Turban
Glüht des Halbmonds gold'ner Bogen.

Prangend aus der Kaiserkrone
Schreitet kühn ein Zepterträger,
Aus der blauen Iris folgen
Schwertbewaffnet seine Jäger.

Aus den Blättern der Narzisse
Schwebt ein Knab' mit düstern Blicken,
Tritt an's Bett,   um heiße Küsse
Auf des Mädchens Mund zu drücken.

Doch um's Lager drehn und schwingen
Sich die andern wild im Kreise,
Drehn und schwingen sich,   und singen
Der Entschlaf'nen diese Weise:

"Mädchen,   Mädchen! Von der Erde
Hast du grausam uns gerissen,
Dass wir in der bunten Scherbe
Schmachten,   welken,   sterben müssen!

"O,   wie ruhten wir so selig
An der Erde Mutterbrüsten,
Wo,   durch grüne Wipfel brechend,
Sonnenstrahlen heiß uns küssten!

"Wo uns Lenzeslüfte kühlten,
Unsre schwanken Stengel beugend,
Wo wir Nachts als Elfen spielten,
Unserm Blätterhaus entsteigend.

"Hell umfloß uns Tau und Regen,
Jetzt umfließt uns trübe Lache,
Wir verblüh'n,   doch eh' wir sterben,
Mädchen! trifft dich uns're Rache."

Der Gesang verstummt,   sie neigen
Sich zu der Entschlaf'nen nieder.
Mit dem alten dumpfen Schweigen
Kehrt das leise Flüstern wieder.

Welch' ein Rauschen,   welch' ein Raunen!
Wie des Mädchens Wangen glühen!
Wie die Geister es anhauchen!
Wie die Düfte wallend ziehen!

Da begrüßt der Sonne Funkeln
Das Gemach,   die Schemen weichen.
Auf des Lagers Kissen schlummert
Kalt die lieblichste der Leichen.

Eine welke Blume selber,
Noch die Wange selbst gerötet,
Ruht sie bei den welken Schwestern,
Deren Geister sie getötet.

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 Bewertung ****** aktualisiert 10.05.2012 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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