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Gustav Schwab - Gedichte

* 19. Juni 1792 in Stuttgart; † 4. November 1850

 

Dichter: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z
Themen: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z

 

 

Gustav Schwab (Balladen)

Der Reiter vom Bodensee

    

Der Reiter reitet durchs helle Tal,
aufs Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.
    
Er trabet im Schweiß durch den kalten Schnee,
er will noch heut’ an den Bodensee.
    
Noch heut mit dem Pferd an den sichern Kahn,
will drüben landen vor Nacht noch an.
    
Auf schlimmem Weg über Dorn und Stein,
er braust auf rüstigem Ross feldein.
    
Aus den Bergen heraus, ins ebene Land,
da sieht er den Schnee sich dehnen wie Sand.
    
Weit hinter ihm schwindet Dorf und Stadt,
der Weg wird eben,  die Bahn wird glatt.
    
In weiter Fläche kein Bühl,  kein Haus,
die Bäume gingen,  die Felsen aus;
    
So flieget er hin eine Meile und zwei,
er hört in den Lüften der Schneegans Schrei;
    
Es flattert das Wasserhuhn empor,
nicht anderen Laut vernimmt sein Ohr.
    
Keinen Wandersmann sein Auge schaut,
der ihm den rechten Pfad vertraut. 
    
Fort geht’s wie auf Samt,  auf dem weichen Schnee.
Wann rauscht das Wasser?  Wann glänzt der See?
    
Da bricht der Abend,  der frühe,  herein,
von Lichtern blinket ein ferner Schein.
    
Es hebt aus den Nebeln sich Baum an Baum,
und Hügel schließen den weiten Raum.
    
Er spürt auf dem Boden Stein und Dorn,
dem Rosse gibt er den scharfen Sporn.
    
Und Hunde bellen empor am Pferd,
und es winkt im Dorf ihm der warme Herd.
    
„Willkommen am Fenster,  Mägdelein, 
an den See,  an den See,  wie weit mag’ s sein?“
    
Die Maid,  die staunet den Reiter an:
„Der See liegt hinter dir und der Kahn.
    
Und deckt’  ihn die Rinde mit Eis nicht zu,
ich spräch’,  aus dem Nachen stiegest du.“
   
Der Fremde schaudert, er atmet schwer:
„Dort hinten die Ebene,  die ritt ich her!“
    
Da recket die Magd die Arm’  in die Höh:
„Herr Gott,  so rittest du über den See!
    
An den Schlund,  an die Tiefe bodenlos
Hat gepocht des rasenden Hufes Stoß!
    
Und unter dir zürnten die Wasser nicht?
Nicht krachte hinunter die Rinde dicht?
    
Und warst nicht die Speise der stummen Brut,
der hungrigen Hecht’  in der kalten Flut?“
    
Sie rufet das Dorf herbei zu der Mär,
es stellen die Knaben sich um ihn her; 
    
Die Mütter,  die Greise, sie sammeln sich:
Glückseliger Mann,  ja segne du dich! 
    
Herein zum Ofen,  zum dampfenden Tisch,
brich mit uns das Brot und iss vom Fisch!“
    
Der Reiter erstarret auf seinem Pferd,
er hat nur das erste Wort gehört.
    
Es stocket sein
Herz,  es sträubt sich sein Haar,
dicht hinter ihm grinst noch die grause Gefahr.
    
Es siehet sein Blick nur den grässlichen Schlund,
sein Geist versinkt in den schwarzen Grund.
    
Im Ohre donnerts  wie krachend Eis,
wie die Well’  umrieselt ihn kalter Schweiß.
    
Da seufzt er,  da sinkt er vom Ross herab,
da ward ihm am Ufer ein trocken Grab
.

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 Bewertung ****** aktualisiert 10.05.2012 >>Sende dein Gedicht ein<<

 

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