Jahreszeiten Gedichte -
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Unterm weißen Baume sitzend
Unterm weißen Baume sitzend,
Hörst du fern die Winde schrillen,
Siehst, wie oben stumme Wolken
Sich in Nebeldecken hüllen;
Siehst, wie unten ausgestorben
Wald und Flur, wie kahl geschoren;
Um dich Winter, in dir Winter,
Und dein Herz ist eingefroren.
Plötzlich fallen auf dich nieder
Weiße Flocken, und verdrossen
Meinst du schon, mit Schneegestöber
Hab der Baum dich übergossen.
Doch es ist kein Schneegestöber,
Merkst es bald mit freudgem Schrecken;
Duftge Frühlingsblüten sind es,
Die dich necken und bedecken.
Welch ein schauersüßer Zauber!
Winter wandelt sich in Maie,
Schnee verwandelt sich in Blüten,
Und dein Herz es liebt aufs neue.

Eduard Mörike
(Jahreszeiten Gedichte)
Septembermorgen
Im
Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
levrai.de
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Heinrich
Seidel
(Jahreszeiten Gedichte)
Jahreszeiten
Grüner
Frühling kehret wieder, bringt uns Blüten ohne Zahl,
Und sein fröhliches Gefieder jauchzt in Wald und Wiesental,
Jubelt ob dem Saatenfeld: O, wie herrlich ist die Welt!
Goldner
Sommer, da in Bogen hoch die Sonne glänzend geht,
Und mit windbewegten Wogen sanftes Flüstern heimlich weht,
Durch das reiche Ährenfeld: O, wie herrlich ist die Welt!
Brauner
Herbst, wo Früchte drängen sich im Garten und im Wald,
Wo von sanften Rebenhängen froh das Lied der Winzer schallt
Über das geleerte Feld: O, wie herrlich ist die Welt!
Weißer
Winter - schneeverhangen liegt die Welt in stillem Traum;
In demantnem Glanze prangen Wald und Wiese, Busch und Baum,
Und im Silberschein das Feld: O, wie herrlich ist die Welt!
Ob der Frühling grünt und blühet, Sommer steht in goldnem Kleid,
Ob der Herbst in Farben glühet, ob's im Winter friert und schneit -
Glücklich, wem es stets gefällt: O, wie herrlich ist die Welt!

Gottfried Keller
(Jahreszeiten
Gedichte)
Im Schnee
Wie naht das finster
türmende
Gewölk so schwarz und schwer!
Wie jagt der Wind, der stürmende,
Das Schneegestöber her!
Verschwunden ist die
blühende
Und grüne Weltgestalt; levrai.de
Es eilt der Fuß, der fliehende,
Im Schneefeld nass und kalt.
Wohl dem, der nun
zufrieden ist
Und innerlich sich kennt!
Dem warm ein Herz beschieden ist,
Das heimlich loht und brennt!
Wo, traulich sich
dran schmiegend, es
Die wache Seele schürt,
Ein perlend, nie versiegendes
Gedankenbrauwerk rührt!
(Schreibweise angepasst)
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Levrai
(Jahreszeiten
Gedichte)
Wurzelbrei
Im Winter gibts keinen
Wurzelbrei
Schnee tröpfelt von der
verwurzelten verschrumpelten
Komm Frühling zeig der Wurzel
deinen Samen
für den Sommer da gibts
Wurzelbrei
bis dahin soll der
Garten sich
entscheiden

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Frühling, Sommer,
Herbst und
Winter. Gedichte über die Jahreszeiten.
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Landschaft bei Pforzheim,
Levrai 1977. Landschaftsgemälde.
Landschaftsgemälde, Ölfarbe auf Papier.

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