Sonette - Übersicht
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An die Geliebte
Eduard Mörike
An eine, die vorüberging
Charles Baudelaire
Im tollen Wahn hatt'
ich dich einst verlassen
Heinrich Heine
Sonett
Charlotte von Ahlefeld
Zu viel
Eduard Mörike
Charlotte von Ahlefeld (Trennung
Liebesgedichte)
Sonett
Als mir, von goldner
Freiheit noch umfangen,
Des Daseins Fülle blühend sich erschloss,
Da war's ein dunkles, heiliges
Verlangen,
Das über mich der Sehnsucht Flammen goss.
Da blickt ich froh und kühn
in die Gefilde
Der Zukunft hin, von Morgenrot beglänzt;
Das Leben schien in
ungetrübter Milde
Von der Natur mir tausendfach umkränzt.
Und doch - von allen
Blüten, die es schmücken,
Von allen Freuden, die das Herz
beglücken,
Verdient nur eine, dass man sie beweine.
Es ist das süße, trunkene
Entzücken,
Das nur durch Schweigen wagt sich auszudrücken
In stummer Liebe seligem Vereine.

Eduard Mörike
(Frühlingsgedichte)
(Sonette)
Zu viel
Der Himmel glänzt vom reinsten
Frühlingslichte,
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.
Am Dorfeshang, dort bei der
luftgen Fichte,
Ist meiner Liebsten kleines Haus gelegen –
O
Herz, was hilft dein Wiegen und dein Wägen,
Dass all der Wonnestreit in dir sich schlichte!
Du,
Liebe, hilf den
süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du, oh Frühling, hilf die Liebe beugen!
Lisch aus, o Tag!
Lass mich in Nacht genesen!
Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.

Charles Baudelaire
(Liebesgedichte)
(Sonette)
An eine, die vorüberging
Der Straßenlärm betäubend zu mir drang.
In großer Trauer, schlank, von Schmerz gestrafft,
Schritt eine Frau vorbei, die mit der Hand gerafft
Den Saum des Kleides hob, der glockig schwang;
Anmutig, wie gemeißelt war das
Bein.
Und ich, erstarrt, wie außer mich gebracht,
Vom Himmel ihrer Augen, wo ein Sturm erwacht,
Sog Süße, die betört, und Lust, die tötet, ein.
Ein Blitz … dann
Nacht! –Du
Schöne, mir verloren,
Durch deren Blick ich jählings neu geboren,
Werd in der Ewigkeit ich dich erst wiedersehn?
Woanders, weit von hier! zu
spät! soll’s nie geschehn?
Dein Ziel ist mir und dir das meine unbekannt,
Dich hätte ich geliebt, und du hast es geahnt!

Heinrich Heine (Liebesgedichte)
Im tollen Wahn hatt'
ich dich einst verlassen
Im tollen Wahn hatt' ich dich einst
verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn ob ich die
Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.
Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder Thüre streckt' ich aus die
Hände,
Und bettelte um gringe Liebesspende, –
Doch lachend gab man mir nur kaltes
Hassen.
Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die
Liebe fand ich
nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und
trübe.
Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug'
geschwommen,
Das war die süße, langgesuchte Liebe.

Liebesgedichte im Sommerurlaub
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und kurze Liebesgedichte, ursprünglich, neu und aus vielen Jahrhunderten.
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Eduard Mörike
(Sonette)
(Liebesgedichte)
An die Geliebte
Wenn ich, von deinem
Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,
Dann hör ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt.
Und ein erstaunt, ein
fragend Lächeln quillt
Auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Dass nun in dir, zu ewiger Genüge,
Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt?
Von Tiefe dann zu Tiefen
stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächtger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.
Betäubt kehr ich den Blick
nach oben hin,
Zum Himmel auf – da lächeln alle Sterne;
Ich knie, ihrem Lichtgesang zu lauschen.

Georg Trakl
(Sonette)
Traum des Bösen
Verhallend eines Gongs
braungoldne Klänge -
Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern
Die Wang' an Flammen, die im Fenster flimmern.
Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.
Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.
Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern.
Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern;
Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.
Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.
Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;
Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.
Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen
Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.
Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.

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Dana, Levrai 2003. (Liebesgedichte)
Ölfarbe auf Leinwand.
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