Dichter:

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Themen:

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Wald Gedichte

Rainer Maria Rilke (Wald Gedichte)
Lauschende Wolke über dem Wald


Lauschende Wolke über dem Wald.
Wie wir sie lieben lernten,
seit wir wissen, wie wunderbald
sie als weckender Regen prallt
an die träumenden Ernten.

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Theodor Storm (Waldgedichte)
Ein grünes Blatt


Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf dass es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

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Joseph von Eichendorff (Wald Gedichte)
An die Waldvögel


Könnt mich auch sonst mit Schwingen
Übers grüne Revier,
Hatt ein Herze zum Singen
Und Flügel wie ihr.

Flog über die Felder,
Da blüht' es wie Schnee,
Und herauf durch die Wälder
Spiegelt' die See.

Ein Schiff sah ich gehen
Fort über das Meer,
Meinen Liebsten drin stehen –
Dacht meiner nicht mehr.

Und die Segel verzogen,
Und es dämmert' das Feld,
Und ich hab mich verflogen
In der weiten, weiten Welt.

Max Dauthendey  (Waldgedichte)
Stets sind Gespräche im Wald


Stets sind Gespräche im Wald:
Bald winkt dir ein Blatt,
Das dir etwas zu deuten hat.
Bald sitzt ein Käfer an deinem Ärmel und blinkt.
Sein Flügelein blitzt wie ein Liebesgedanke,
Der augenblicklich wieder versinkt.
Die Mücke singend ums Ohr dir schwebt,
Wie Sehnsucht, die vom Blute lebt
Und dir von deinen Poren trinkt.
Wo der Wald sich lichtet,
Steht ungeschlachten Scheitholz geschichtet,
Weht Rindengeruch, der von Bränden dichtet.
Bleibt in den Kleidern dir lang noch hocken,
Als will es dich in ein Feuer locken

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Hermann Allmers (Waldgedichte)
Spätherbst


Der graue Nebel tropft so still
Herab auf Feld und Wald und Heide,
Als ob der Himmel weinen will
In übergroßem Leide.
Die Blumen wollen nicht mehr blühn,
Die Vöglein schweigen in den Hainen,
Es starb sogar das letzte Grün,
Da mag er auch wohl weinen.

Joseph von Eichendorff (Abendgedichte)
Abendlich schon rauscht der Wald


Abendlich schon rauscht der Wald
Aus den tiefsten Gründen,
Droben wird der Herr nun bald
An die Sternlein zünden.
Wie so stille in den Schlünden,
Abendlich nur rauscht der Wald.
Alles geht zu seiner Ruh.
Wald und Welt versausen,
Schauernd hört der Wandrer zu,
Sehnt sich recht nach Hause.
Hier in Waldes stiller Klause,
Herz, geh endlich auch zur Ruh.

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Hermann Allmers (Waldgedichte)
Feldeinsamkeit


Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
und sende lange meinen Blick nach oben,
von Grillen rings umschwirrt ohn Unterlass,
von Himmelsbläue wundersam umwoben.
Und schöne weiße Wolken ziehn dahin
durchs tiefe Blau, wie schöne stille Träume; -
mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
und ziehe selig mit durch ewge Räume.

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Mörike, Eduard (Gedichte über den Wald)
Septembermorgen


Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

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Emanuel Geibel (Waldgedichte)
Kein Hauch von Flur und Wald.


Kein Hauch von Flur und Wald,
Vom Fluß ein Rauschen kaum;
Mein Schritt allein erschallt
Gedämpft im weiten Raum.

Ihr Sternenzwielicht gießt
Die Lenznacht erdenwärts;
Und ihre Frische fließt
Verjüngend an mein Herz.

Die wild in mir gestrebt,
Des Tags Begier, entweicht;
In meinen Adern schwebt
Das Leben licht und leicht.

Fast ist's, als streifte kühl
Mir eine Geisterhand
Vom Haupte das Gefühl
Der Schwere, die mich band.

Und schauernd wonniglich
In dunkler Lüfte Schwall
Ergießt die Seele sich,
Und schwimmt gelöst im All.

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Anna Ritter (Waldgedichte)
Ein Vöglein singt im Wald


Ein Vöglein singt im Wald,
singt Lieb' und Leiden,
ich weine für mich hin -
Du willst ja scheiden.
Viel Rosen blühen rot -
ich pflücke keine,
brauch weder Schmuck noch Zier,
so ganz alleine.
Hab' dich so lieb gehabt
und willst doch wandern,
suchst nun dein Fröhlichkeit,
dein Glück bei Andern.

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Christian Morgenstern (Liebesgedichte)
Hier im Wald mit dir zu liegen


Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet,
in das Flüstern, in das Rauschen
leise liebe Worte mischend,
öfter aber noch dem Schweigen
lange Küsse zugesellend,
unerschöpflich - unersättlich,
hingegebne, hingenommne,
ineinander aufgelöste,
zeitvergessne, weltvergessne.
Hier im Wald mit dir zu liegen,
moosgebettet, windumatmet.

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Clemens Brentano Waldgedichte)
O kühler
Wald

O kühler Wald,
Wo rauschest du,
In dem mein Liebchen geht?
O Widerhall,
Wo lauschest du,
Der gern mein Lied versteht?

O Widerhall,
O sängst du ihr
Die süßen Träume vor,
Die Lieder all,
O bring sie ihr,
Die ich so früh verlor!

Im Herzen tief,
Da rauscht der Wald,
In dem mein Liebchen geht,
In Schmerzen schlief
Der Widerhall,
Die Lieder sind verweht.

Im Walde bin
Ich so allein,
O Liebchen, wandre hier,
Verschallet auch
Manch Lied so rein,
Ich singe andre dir!

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Justinus Kerner (Wald Gedichte)
Sehnsucht nach der Waldgegend


Wär' ich nie aus euch gegangen,
Wälder, hehr und wunderbar!
Hieltet liebend mich umfangen
Doch so lange, lange Jahr'.

Wo in euren Dämmerungen
Vogelsang und Silberquell,
Ist auch manches Lied entsprungen
Meinem Busen, frisch und hell.

Euer Wogen, euer Hallen,
Euer Säuseln nimmer müd',
Eure Melodien alle
Weckten in der Brust das Lied.

Hier in diesen weiten Triften
Ist mir alles öd' und stumm,
Und ich schau' in blauen Lüften
Mich nach Wolkenbildern um

Wenn ihr's in den Busen zwinget,
Regt sich selten nur das Lied:
Wie der Vogel halb nur singet,
Den von Baum und Blatt man schied.

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Joseph von Eichendorff (Waldgedichte)
Zwielicht


Dämmrung will die Flügel spreizen,
Schaurig rühren sich die Bäume,
Wolken ziehn wie schwere Träume —
Was will dieses Grau'n bedeuten?

Hast ein Reh du, lieb vor andern,
Lass es nicht alleine grasen,
Jäger ziehn im Wald' und blasen,
Stimmen hin und wieder wandern.

Hast du einen Freund hienieden,
Trau ihm nicht zu dieser Stunde,
Freundlich wohl mit Aug' und Munde,
Sinnt er Krieg im tückischen Frieden.

Was heut müde gehet unter,
Hebt sich morgen neugeboren.
Manches bleibt in Nacht verloren —
Hüte dich, bleib' wach und munter!

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