Weihnachtsgedichte

   
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Weihnachtsgedichte<
Advent   Rainer Maria Rilke Weihnachtsgedichte
Advent   Theodor Fontane  Weihnachtsgedichte
Alles still!   Theodor Fontane
Altes Kaminstück   Heinrich Heine
Am Feste der heiligen drei Könige   Annette v. Droste-Hülshoff 
Am Heiligen Abend  Moritz Gottlieb Saphir
Am letzten Tag des Jahres  Annette von Droste-Hülshoff  
Am Sonntage nach Weihnachten  Annette von Droste-Hülshoff
Am Weihnachtsabend   Ida Gräfin Hahn-Hahn
An der Straßenecke   Jakob Loewenberg
An eine zur Weihnachtszeit geborene Freundin  Justinus Kerner
Christkindchen   Anna Ritter
Christnacht   Ferdinand von Saar
Das Haus in der Heide   Annette von Droste-Hülshoff 
Der Bratapfel  Volksgut  Weihnachtsgedichte
Der Stern   Wilhelm Busch   Weihnachtsgedichte
Der Traum  Hoffmann von Fallersleben
Der Weihnachtsaufzug  Robert Reinick
Dezember  -  Der Weihnachtsbaum  Robert Reinick
Heilige_Nacht  Eduard Mörike
Die Flucht der Heiligen Familie   Joseph von Eichendorff
Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland  Heinrich Heine
Es gibt so wunderweiße Nächte  Rainer Maria Rilke
Knecht Ruprecht  Theodor Storm
Knecht Ruprecht 
Morgen kommt der Weihnachtsmann  Hoffmann v. Fallersleben
Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen   Gustav Falke
Vom Christkind   Anna Ritter Weihnachtsgedichte
Weihnacht Ernst von Wildenbruch
Weihnachten   Joseph von Eichendorff
Weihnachten Max Dauthendey  Weihnachtsgedichte
Weihnachten  Theodor Fontane Weihnachtsgedichte
Weihnachten  Johann Wolfgang von Goethe
Weihnachten  Franz Grillparzer Weihnachtsgedicht
Weihnachten  Wilhelm Hey
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Weihnachten  Joachim Ringelnatz
Weihnachten wird es für die Welt  Adele Schopenhauer
Weihnachtsgedicht  Ludwig Pfau  Weihnachtsgedicht
Weihnachtslied  Theodor Storm  Weihnachtsgedicht
Weihnachtsgedicht  Hermann von Lingg
Weihnachtszeit  Hoffmann von Fallersleben
Weihnachtsbäume   Gustav Falke
Weihnachtsbäumlein  Christian Morgenstern
Weihnachtsabend   Theodor Storm
Weihnachtsabend Hoffmann von Fallersleben
Weihnachtsglocken  Richard Dehmel
Weihnachtlied   Clemens Brentano
Weihnachtslied   Marx Möller
Weihnachtsgedichte
Weihnachtslied  Theodor Storm
Weihnachtsgedichte
Weihnachtslied Theodor Storm
Weihnachtslied  Maximilian von Schenkendorf
Weihnachtsschnee  Paula Dehmel
Weihnachtswunder  Gustav Falke  Weihnachtsgedichte
Weihnachtszeit Hoffmann von Fallersleben
Wiegenlied  Clemens Brentano  Weihnachtsgedichte
Zum Weihnachten  Theodor Storm
Zum Weihnachtsbaum   Peter Rosegger

Rainer Maria Rilke  (Weihnachtsgedichte)
Advent


Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.


Theodor Storm (Weihnachtsgedichte)
Knecht Ruprecht

Von drauß vom Walde komm' ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;  
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht'  durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es,  "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!   
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens ruhn;
Und morgen flieg' ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach:  "O lieber Herr Christ,  
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat."  - 
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach:  "Das Säcklein, das ist hier;
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern."  -
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach:  "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur,  die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil,  den rechten."
Christkindlein sprach:  "So ist es recht;
So geh mit Gott,  mein treuer Knecht!"
Von drauss vom Walde komm'  ich her;
Ich muss euch sagen,  es weihnachtet sehr!
Nun sprecht,  wie ich's hierinnen find'!
Sind's gute Kind,  sind's böse Kind?


Anna Ritter (Weihnachtsgedichte)
Vom Christkind


Denkt euch,  ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde,  das Mützchen voll Schnee,
mit rot gefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände täten ihm weh,  
denn es trug einen Sack,  der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war,  möchtet ihr wissen?
Ihr Naseweise,  ihr Schelmenpack -
denkt ihr,  er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Richard Dehmel (Weihnachtsgedichte)
Weihnachtsglocken


Weihnachtsglocken, wieder, wieder
sänftigt und bestürmt ihr mich.
Kommt,  o kommt, ihr hohen Lieder,
nehmt mich,  überwältigt mich!

Dass ich in die Knie fallen,
dass ich wieder Kind sein kann,
wie als Kind Herr-Jesus lallen
und die Hände fallen kann.

Denn ich fühl’s, die Liebe lebt, lebt,
die mit ihm geboren wurde,
ob sie gleich von Tod zu Tod schwebt,
obgleich er gekreuzigt wurde.

Fühl’s, wie alle Brüder werden,
wenn wir hilflos, Mensch zu Menschen,
stammeln: "Friede sei auf Erden
und ein Wohlgefall’n am Menschen!"

Clemens Brentano  (Weihnachtsgedichte)

Weihnachtlied


Kein Sternchen mehr funkelt,
Tief nächtlich umdunkelt
Lag Erde so bang,
Rang seufzend mit Klagen
Nach leuchtenden Tagen,
Ach! Harren ist lang.

Als plötzlich erschlossen,
Vom Glanze durchgossen,
Den Himmel sie sieht;
Es sangen die Chöre:
Gott Preis und Gott Ehre!
Erlösung war da.

Es sangen die Chöre:
Den Höhen sei Ehre,
Dem Vater sei Preis,
Und Frieden hienieden,
Ja Frieden, ja Frieden,
Dem ganzen Erdkreis.

Wir waren verloren,
Nun ist uns geboren,
Was Gott uns verhieß,
Ein Kindlein zum Lieben,
Und nie zu betrüben,
Ach, Lieb ist ja süß!

O segne die Zungen,
Die mit mir gesungen,
Du himmlisches Kind!
Und lass dir das Lallen
Der Kinder gefallen,
So lieblich und lind.

O Friede dem Zorne,
O Röschen, dem Dorne
So lieblich erblüht;
Süß lallende Lippe
Des Kinds in der Krippe,
Dir gleicht wohl dies Lied.

Gustav Falke Weihnachtsgedichte
Weihnachtsbäume


Nun kommen die vielen Weihnachtsbäume
aus dem Wald in die Stadt herein.
Träumen sie Ihre Waldesträume
wieder beim Laternenschein?

Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten
von der Waldfrau, die Märchen webt,
was wir uns erst alles erdichten,
sie haben das alles wirklich erlebt.

Da steh'n sie nun an den Straßen und schauen
wunderlich und fremd darein,
als ob sie der Zukunft nicht trauen,
es muss doch was im Werke sein!

Freilich, wenn sie dann in den Stuben
im Schmuck der hellen Kerzen stehn,
und den kleinen Mädchen und Buben
in die glänzenden Augen sehn.

Dann ist ihnen auf einmal, als hätte
ihnen das alles schon mal geträumt,
als sie noch im Wurzelbette
den stillen Waldweg eingesäumt.

Dann stehen sie da, so still und selig,
als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,
als hätte sich ihnen doch allmählich
ihres Lebens Sinn enthüllt;

Als wären sie für Konfekt und Lichter
vorherbestimmt, und es müsste so sein,
und ihre spitzen Nadelgesichter
sehen ganz verklärt darein.

Volksgut aus Bayern Weihnachtsgedichte
Der Bratapfel

Kinder,  kommt und ratet,
was im Ofen bratet!
Hört,  wie's knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
der Zipfel,  der Zapfel,
der Kipfel, der Kapfel,
der gelbrote Apfel.

Kinder,  lauft schneller,
holt einen Teller,
holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel,  den Kapfel,
den goldbraunen Apfel!

Sie pusten und prusten,
sie gucken und schlucken,
sie schnalzen und schmecken,
sie lecken und schlecken
den Zipfel,  den Zapfel,
den Kipfel,  den Kapfel,
den knusprigen Apfel.

Rainer Maria Rilke (Weihnachtsgedichte)
Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
Drin alle Dinge Silber sind. 
Da schimmert manchen Stern so lind,
Als ob er fromme Hirten brächte
Zu einem  neuem Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantenstaube
Bestreut,  erscheinen Flur und Flut,
Und in die Herzen,  traumgemut,
Steigt ein kapellenloser Glaube,
Der leise seine Wunder tut.


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Hoffmann von Fallersleben Weihnachtsgedichte

Weihnachtszeit

O schöne,  herrliche Weihnachtszeit!
Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.
Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein, 
und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und Reichen, die Grossen und Kleinen.
Der heilige Christ an alle denkt,
ein jedes wird von ihm beschenkt.
Drum lasst uns freuen und dankbar sein!
Er denkt auch unser,  mein und dein!


Theodor Storm  Weihnachtsgedichte

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern hernieder lacht;
Es brennt der Baum,  ein süß'  Gedüfte
Durchschwimmet träumerisch die Lüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend,  staunend muss ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl's,  ein Wunder ist geschehn.


Max Dauthendey

Weihnachten

Die eisige Straße mit Schienengeleisen,
Die Häusermaße in steinernen Reih'n,
Der Schnee in Haufen, geisterweißen,
Und der Tag, der blasse, mit kurzem Schein.

Der Kirchtüre Flügel sich stumm bewegen,
Die Menschen wie Schatten zur Türspalte gehn;
Bekreuzen die Brust, kaum dass sie sich regen,
Als grüßen sie jemand, den sie nur sehn.

Ein Kindlein aus Wachs, auf Moos und Watten,
Umgeben von Mutter und Hirten und Stall,
Umgeben vom Kommen und Gehen der Schatten,
Liegt da wie im Mittelpunkte des All.

Und Puppen als Könige, aus goldnen Papieren,
Und Mohren bei Palmen, aus Federn gedreht,
Sie kamen auf kleinen und hölzernen Tieren,
Knien tausend und tausend Jahr im Gebet.

Sie neigen sich vor den brennenden Kerzen;
Als ob im Arm jedem ein Kindlein schlief,
Siehst du sie atmen mit behutsamen Herzen
Und lauschen, ob das Kind sie beim Namen rief.


Gustav Falke

Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen


Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen
und wecken Freude in allen Herzen.
Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen,
was sollen wir singen, was sollen wir sagen?
Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste
vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste!
Wir wollen Euch danken für alle Gaben
und wollen euch immer noch lieber haben.


Hoffmann von Fallersleben

Der Traum

Ich lag und schlief;  da träumte mir
ein wunderschöner Traum:
Es stand auf unserm Tisch vor mir
ein hoher Weihnachtsbaum.

Und bunte Lichter ohne Zahl,  
die brannten ringsumher;
die Zweige waren allzumal
von goldnen Äpfeln schwer.

Und Zuckerpuppen hingen dran;
das war mal eine Pracht!
Da gab's,  was ich nur wünschen kann 
und was mir Freude macht.

Und als ich nach dem Baume sah
und ganz verwundert stand,
nach einem Apfel griff ich da,  
und alles,  alles schwand.

Da wacht'  ich auf aus meinem Traum,
und dunkel war's um mich.  
Du lieber,  schöner Weihnachtsbaum,
sag an, wo find' ich dich?

Da war es just,  als rief er mir:
"Du darfst nur artig sein;  
dann steh'  ich wiederum vor dir;
jetzt aber schlaf nur ein!   


Und wenn du folgst und artig
bist,   
dann ist erfüllt dein Traum,
dann bringet dir der heil'ge Christ
den schönsten Weihnachtsbaum.  


Theodor Fontane (Weihnachtsgedichte)
Alles still!


Alles still!  Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht -
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.


Joseph von Eichendorff
Weihnachten


Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen, 
Alles sieht so festlich aus. 

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn  und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges  Schauern!   
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit  
Steigts  wie wunderbares Singen – 
O du gnadenreiche Zeit!   


Hoffmann von Fallersleben
Weihnachtszeit
 
O schöne, herrliche Weihnachtszeit!
Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.  
Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein,
und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und Reichen, die Grossen und Kleinen.
Der heilige Christ an alle denkt,
ein jedes wird von ihm beschenkt.  
Drum lasst uns freuen und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein!


Christian Morgenstern

Weihnachtsbäumlein
   
Das Weihnachtsbäumlein 
Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein 
und vielen bunten Kerzlein: 
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.
    
Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war,  ach, dahingeschwunden.
die grünen Nadeln warn'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.
    
Bis eines Tags der Gärtner kam,  
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei!  Tats da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.


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Ernst von Wildenbruch
Weihnacht


Die Welt wird kalt, die Welt wird stumm,
der Winter-Tod zieht schweigend um;
er zieht das Leilach weiß und dicht
der Erde übers Angesicht -
Schlafe - schlafe

Du breitgewölbte Erdenbrust,
du Stätte aller Lebenslust,
hast Duft genug im Lenz gesprüht,
im Sommer heiß genug geglüht,
nun komme ich, nun bist du mein,
gefesselt nun im engen Schrein -
Schlafe - schlafe

Die Winternacht hängt schwarz und schwer,
ihr Mantel fegt die Erde leer,
die Erde wird ein schweigend Grab,
ein Ton geht zitternd auf und ab:
Sterben  -  sterben.

Da horch  -  im totenstillen Wald
was für ein süßer Ton erschallt?
Da sieh - in tiefer dunkler Nacht
was für ein süßes Licht erwacht?
Als wie von Kinderlippen klingt's,
von Ast zu Ast wie Flammen springt's,
vom Himmel kommt's wie Engelsang,
ein Flöten- und Schalmeienklang:
Weihnacht! Weihnacht!

Und siehe - welch ein Wundertraum:
Es wird lebendig Baum an Baum,
der Wald steht auf, der ganze Hain
zieht wandelnd in die Stadt hinein.
Mit grünen Zweigen pocht es an:
"Tut auf, die sel'ge Zeit begann,
Weihnacht! Weihnacht!"

Da gehen Tür und Tore auf,
da kommt der Kinder Jubelhauf,
aus Türen und aus Fenstern bricht
der Kerzen warmes Lebenslicht.
Bezwungen ist die tote Nacht,
zum Leben ist die Lieb' erwacht,
der alte Gott blickt lächelnd drein,
des lasst uns froh und fröhlich sein!
Weihnacht! Weihnacht!


Theodor Storm 
Knecht Ruprecht


Ruprecht:
Habt guten Abend,  alt und jung,
Bin allen wohl bekannt genung.
Von drauß' vom Walde komm ich her;  
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;  
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor;
Und wie ich so strolcht'  durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat."
- "Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern."
- "Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten."
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"

Von drauß' vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

Vater:
Die Kinder sind wohl alle gut,
Haben nur mitunter was trotzigen Mut.
Ruprecht:
Ei, ei, für trotzgen Kindermut
Ist meine lange Rute gut!
Heißt es bei euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?
Vater:
Wie einer sündigt, so wird er gestraft;
Die Kinder sind schon alle brav.
Ruprecht:
Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
Lesen und schreiben und rechnen genug?
Vater:
Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
Wir hoffen zu Gott, dass es endlich schafft.
Ruprecht:
Beten sie denn auch altem Brauch
Im Bett ihr Abendsprüchlein auch?
Vater:
Neulich hört ich im Kämmerlein
Eine kleine Stimme sprechen allein;
Und als ich an die Tür getreten,
Für alle Lieben hört ich sie beten.
Ruprecht:
So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuss;
Probiert einmal von seinen Gaben,
Morgen sollt ihr was Besseres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
Nun schlafet sanft, habt gute Nacht.


Theodor Storm 
Weihnachtsabend

    
Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend,  die ich ließ zu Haus. 
Weihnachten war’s,  durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.  

Und wie der Menschenstrom mich fort gespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
"Kauft,  lieber Herr!"  Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor,  und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;  
wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt’  ich im Vorübertreiben nicht.

Nur vor dem Treppenstein,  darauf es saß, 
noch immer hört’ ich, mühsam, wie es schien:
"Kauft,  lieber Herr!"  den Ruf ohn’ Unterlass;  
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.   

Und ich?  War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?  
Eh’  meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind. 

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfasste mich die Angst im Herzen so,   
als säß’  mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot,  indessen ich entfloh.


Heinrich Heine
Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland


Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland,
Sie frugen in jedem Städtchen:
"Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und Mädchen?
Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
Die Könige zogen weiter,
Sie folgen einem goldenen Stern,
Der leuchtete lieblich und heiter.
Der Stern blieb steh'n über Josefs Haus, 
Da sind sie hineingegangen; 
Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,
Die heil'gen Drei Könige sangen.  

Eduard Mörike
Die heilige Nacht

Gesegnet sei die heilige Nacht,
die uns das Licht der Welt gebracht!  -

Wohl unterm lieben Himmelszelt
die Hirten lagen auf dem Feld.

Ein Engel Gottes,  licht und klar,
mit seinem Gruß tritt auf sie dar.

Vor Angst sie decken ihr Angesicht,
da spricht der Engel:  "Fürcht' euch nicht!

"Ich verkünd euch große Freud:
Der Heiland ist geboren heut."

Da gehn die Hirten hin in Eil, 
zu schaun mit Augen das ewig Heil;

zu singen dem süßen Gast Willkomm,
zu bringen  ihm ein Lämmlein fromm. -

Bald kommen auch gezogen fern
die heilgen drei König' mit ihrem Stern.

Sie knien vor dem Kindlein hold,
schenken ihm Myrrhen,  Weihrauch, Gold.

Vom Himmel hoch der Engel Heer
frohlocket:  "Gott in der Höh sei Ehr!"



Joseph von Eichendorff 

Die Flucht der Heiligen Familie

Länger fallen schon die Schatten,
Durch die kühle Abendluft,
Waldwärts über stille Matten
Schreitet Joseph von der Kluft,
Führt den Esel treu am Zügel;
Linde Lüfte fächeln kaum,
's sind der Engel leise Flügel,
Die das Kindlein sieht im Traum,
Und Maria  schauet nieder
Auf das Kind voll Lust und Leid,
Singt im Herzen Wiegenlieder
In der stillen Einsamkeit.
Die Johanneswürmchen kreisen
Emsig leuchtend  übern Weg,
Wollen der Mutter Gottes weisen
Durch die Wildnis jeden Steg,
Und durchs Gras  geht süßes Schaudern,
Streift es ihres Mantels Saum;
Bächlein auch lässt jetzt sein Plaudern
Und die Wälder flüstern kaum,
Dass sie nicht die Flucht verraten.
Und das Kindlein hob die Hand,
Da sie ihm so Liebes taten,
Segnete das stille Land,
Dass die Erd mit Blumen, Bäumen
Fernerhin in Ewigkeit
O gebenedeite Zeit!  


Heinrich Heine  

Altes Kaminstück

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht,  der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam,  still vertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut; 
Und die Flammen schweben,  weben,
Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergessne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Frauen, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen,  lachen,  lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehen
Märchenblumen,  deren Blätter
In dem Mondenlichte wehen.

Wackelnd kommt herbei geschwommen
Manches alte Zauberschloss;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter,  Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt -
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.


Gustav Falke 
 

Weihnachtswunder


Durch den Flockenfall
klingt süßer Glockenschall,
ist in der Winternacht
ein süßer Mund erwacht.

Herz,  was zitterst du
den süßen Glocken zu?
Was rührt den tiefen Grund
dir auf der süße Mund?  

Was verloren war, 
du meintest,  immerdar,
das kehrt nun all zurück,
ein selig Kinderglück.

O du Nacht des Herrn
mit deinem Liebesstern
aus deinem reinen Schoß
ringt sich ein Wunder los.


Anna Ritter

Christkindchen

Wo die Zweige am dichtesten hangen,
die Wege am tiefsten verschneit, 
da ist um die Dämmerzeit
im Walde das  Christkind gegangen.

Es musste sich wacker plagen,
denn einen riesigen Sack    
hat's meilenweit huckepack  
auf den schmächtigen Schultern getragen.

Zwei spielende Häschen saßen
geduckt am schneeigen Rain.
Die traf solch blendender Schein,
dass sie das Spielen vergaßen.

Doch das Eichhorn hob schnuppernd die Ohren
und suchte die halbe Nacht,
ob das Christkind von all seiner Pracht  
nicht ein einziges Nüsschen verloren.


Theodor Fontane

Weihnachten

Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alls Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte -

Rechnet sich aus all dem Braus
Doch einrichtig Leben heraus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.


Annette von Droste-Hülshoff 

Am Feste der heiligen drei Könige

Durch die Nacht drei Wandrer ziehn,
Um die Stirnen Purpurbinden,
Tiefgebräunt von heißen Winden
Und der langen Reise Mühn.
Durch der Palmen säuselnd Grün
Folgt der Diener Schar von weiten;
Von der Dromedare Seiten
Goldene Kleinode glühn,
Wie sie klirrend vorwärts schreiten,
Süße Wohlgerüche fliehn.

Finsternis hüllt schwarz und dicht
Was die Gegend mag enthalten;
Riesig drohen die Gestalten:
Wandrer, fürchtet ihr euch nicht?
Doch ob tausend Schleier flicht
Los' und leicht die Wolkenaue:
Siegreich durch das zarte Graue
Sich ein funkelnd Sternlein bricht.
Langsam wallt es durch das Blaue,
Und der Zug folgt seinem Licht.

Horch, die Diener flüstern leis:
"Will noch nicht die Stadt erscheinen
Mit den Tempeln und den Hainen,
Sie, der schweren Mühe Preis?
Ob die Wüste brannte heiß,
Ob die Nattern uns umschlangen,
Uns die Tiger nachgegangen,
Ob der Glutwind dörrt' den Schweiß:
Augen an den Gaben hangen
Für den König stark und weiß."

Sonder Sorge, sonder Acht,
Wie drei stille Monde ziehen
Um des Sonnensternes Glühen,
Ziehn die Dreie durch die Nacht.
Wenn die Staublawine kracht,
Wenn mit grausig schönen Flecken
Sich der Wüste Blumen strecken,
Schaun sie still auf jene Macht,
Die sie sicher wird bedecken,
Die den Stern hat angefacht.

O ihr hohen heil'gen Drei!
In der Finsternis geboren
Hat euch kaum ein Strahl erkoren,
Und ihr folgt so fromm und treu!
Und du meine Seele, frei
Schwelgend in der Gnade Wogen,
Mit Gewalt ans Licht gezogen,
Suchst die Finsternis aufs Neu!
O wie hast du dich betrogen;
Tränen blieben dir und Reu!

Dennoch, Seele, fasse Mut!
Magst du nimmer gleich ergründen,
Wie du kannst Vergebung finden:
Gott ist über Alles gut!
Hast du in der Reue Flut
Dich gerettet aus der Menge,
Ob sie dir das Mark versenge
Siedend in geheimer Glut,
Lässt dich nimmer dem Gedränge,
Der dich warb mit seinem Blut.

Einen Strahl bin ich nicht wert,
Nicht den kleinsten Schein von oben.
Herr, ich will dich freudig loben,
Was dein Wille mir beschert!
Sei es Gram, der mich verzehrt,
Soll mein Liebstes ich verlieren,
Soll ich keine Tröstung spüren,
Sei mir kein Gebet erhört:
Kann es nur zu dir mich führen,
Dann willkommen Flamm' und Schwert!


Theodor Storm  (Weihnachtsgedichte

Weihnachtslied


Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht.

 

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstille Herrlichkeit.

 

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muss ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl's, ein Wunder ist geschehn.


Ferdinand von Saar

Christnacht

Wieder mit Flügeln,  aus Sternen gewoben,
senkst du herab dich,  o heilige Nacht;
was durch Jahrhunderte alles zerstoben,
du noch bewahrst deine leuchtende Pracht.

Ging auch der Welt schon der Heiland verloren,
der sich dem Dunkel der Zeiten entrang,
wird er doch immer aufs Neue geboren,
nahst du,  Geweihte,  dem irdischen Drang.

Selig durchschauernd kindliche Herzen,
bist du des Glaubens süßester Rest;
fröhlich begangen bei flammenden Kerzen,
bist du das schönste, menschlichste Fest.


Gedichte über Weihnachten, die Weihnachtszeit...
 
Eduard Mörike 
Die heilige Nacht
Gesegnet sei die heilige Nacht,
die uns das Licht der Welt gebracht!  -


Wohl unterm lieben Himmelszelt
die Hirten lagen auf dem Feld.

Ein Engel Gottes,  licht und klar,  
mit seinem Gruß tritt auf sie dar.


Vor Angst sie decken ihr Angesicht,
da spricht der Engel:  "Fürcht' euch nicht!

"Ich verkünd euch große Freud:
Der Heiland ist geboren heut."

Da gehn die Hirten hin in Eil, 
zu schaun mit Augen das ewig Heil;

zu singen dem süßen Gast Willkomm,
zu bringen  ihm ein Lämmlein fromm. -

Bald kommen auch gezogen fern  
die heilgen drei König' mit ihrem Stern.


Sie knien vor dem Kindlein hold,
schenken ihm Myrrhen,  Weihrauch, Gold.

Vom Himmel hoch der Engel Heer
frohlocket:  "Gott in der Höh sei Ehr!"


Theodor Storm  

Zum Weihnachten

 

Mädchen,  in die Kinderschuhe
Tritt noch einmal mir behänd!
Folg mir durch des Abends Ruhe,
Wo der dunkle Taxus brennt.

 

Engel knien an der Schwelle,
Hütend bei dem frommen Schein;
Von den Lippen klingt es helle:
Nur die Kindlein gehen ein!

 

Doch du schaust mich an verwundert,
Sprichst: "Vertreten sind die Schuh;
Unter alt vergessnem Plunder
Liegt die Puppe in der Truh'."

 

Horch nur auf!  Die alten Märchen
Ziehn dich in die alte Pracht!
Wie im Zauberwald das Pärchen
Schwatzen wir die ganze Nacht.

 

Von Schneewittchen bei den Zwergen,
Wo sie lebte unerkannt
Und war hinter ihren Bergen
Doch die Schönst'  im ganzen Land.

 

Von Hans Bärlein,  der im Streite
Einen Riesenritter schlug,
Der die Königstochter freite,
Endlich gar die Krone trug.

 

Von dem Dichter auch daheime,
Der ein Mädchen,  groß und schlank,
Durch die Zauberkraft der Reime
Rückwärts in die Kindheit sang.


Maximilian von Schenkendorf aus Bayern

Weihnachtslied

 

Brich an, du schönes Morgenlicht!
Das ist der alte Morgen nicht.
der täglich wiederkehret.
Es ist ein Leuchten aus der Fern
es ist ein Schimmer. ist ein Stern.
von dem ich längst gehöret.

 

Nun wird ein König aller Welt
von Ewigkeit zum Heil bestellt_
ein zartes Kind geboren.
Der Teufel hat sein altes Recht
am ganzen menschlichen Geschlecht
verspielt schon und verloren...

 

Wer ist noch, welcher sorgt und sinnt?
Hier in der Krippe liegt ein Kind
mit lächelnder Gebärde!
Wir grüßen dich, du Sternenheld!
Willkommen. Heiland aller Welt!
Willkommen auf der Erde!


Wilhelm Busch

Der Stern

Hätt einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wär wohl nie
dem Sternlein nachgereist wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.


Theodor Fontane

Advent

 

Noch ist Herbst nicht ganz entfloh'n,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns hernieder sah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.


Annette von Droste-Hülshoff 

Das Haus in der Heide  

 

Wie lauscht, vom Abendschein umzuckt,
die strohgedeckte Hütte,
recht wie im Nest der Vogel duckt,
aus dunkler Föhren Mitte.

Am Fensterloche streckt das Haupt
die weißgestirnte Sterke,
bläst in den Abendduft und schnaubt
und stößt ans Holzgewerke.

Seitab ein Gärtchen, dornumhegt,
mit reinlichem Gelände,
wo matt ihr Haupt die Glocke trägt,
aufrecht die Sonnenwende.

Und drinnen kniet ein stilles Kind,
das scheint den Grund zu jäten,
nun pflückt sie eine Lilie lind
und wandelt längs den Beeten.

Am Horizonte Hirten, die
im Heidekraut sich strecken
und mit des Aves Melodie
träumende Lüfte wecken.

Und von der Tenne ab und an
schallt es wie Hammerschläge,
der Hobel rauscht, es fällt der Span,
und langsam knarrt die Säge.

Da hebt der Abendstern gemach
sich aus den Föhrenzweigen,
und grade ob der Hütte Dach
scheint er sich mild zu neigen.

Es ist ein Bild, wie still und heiß
es alte Meister hegten,
kunstvolle Mönche, und mit Fleiß
es auf den Goldgrund legten:

Der Zimmermann - die Hirten gleich
mit ihrem frommen Liede,
die Jungfrau mit dem Lilienzweig,
und rings der Gottesfriede.

Des Sternes wunderlich Geleucht
aus zarten Wolkenfloren -
Ist etwa hier im Stall vielleicht


Paula Dehmel  (Weihnachtsgedichte

Weihnachtsschnee

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
Es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
Und bäckt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
Sonst nehmt den Operngucker:
Die große Himmelsbüchse, seht,
Tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut  -  die Kuchen sind schon voll -
Er streut  -  na, das wird munter:
Er schüttelt die Büchse und streut und streut
Den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder sperrt die Mäulchen auf,
Schnell! Zucker schneit es heute;
Fangt auf, holt Schüsseln  -  ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!


Peter Rosegger

Zum Weihnachtsbaum

Friede war im Wald und jeder Baum beglückt
durch schöne, reife Frucht, womit der Herbst beschmückt
die Äste all, dass jeder Zweig sich bieget
bis hoch hinauf, wo leis' die Krone wieget.
Doch leider, wo's zum Segen will gedeihn,
da findet sich auch gern der Hochmut ein
und selbst der Neid. Und jeder wollt' sich prahlen,
dass seine Frucht die schönste sei von allen,
und jeder hing an seine längsten Äste
als stolzes Aushängeschild der Früchte beste.
Es war ein herrlich Wogen bis zur Spitze,
ein Wetten, wer das beste wohl besitze.

Nur eines litt im Wald viel Weh und Gram
und barg sich ins Gesträuch voll tiefer Scham.
Ein Tannenbäumchen war's gar schmächtig, schlank,
wohl aller Früchte, auch der ärmsten, blank,
und während andre stolz im vollen Prangen
hatt' es an seinem Stamm nur Nadeln hangen,
nur dunkelgrüne Nadeln, scharf und spitz;
sie stachen es, doch schärfer stach der Witz
der andren und ihr Hohn, gar schal und widrig
dem schlichten Bäumchen, weil's so arm und niedrig.
Es flüsterte der Wald sich in die Ohren
vom Taugenichts, der da umsonst geboren,
und warf ihm boshaft gar zum Spott und Schmach
die ersten gelben, dürren Blätter nach.
Das schnitt dem Bäumchen tief ins junge Herz,
es wollte schier vergehen in Leid und Schmerz
und weinte, tief bedrängt vom Weh, dem schweren
das Harz heraus, die bittersten der Zähren.
So duldete das Bäumchen still und fromm.

Da zog hernieder durch den mächtigen Dom
ein Engel aus des Himmels heiligen Hainen,
der sah den armen Dulder schmerzlich weinen.
Er ließ sich erdenwärts vom weiten Raum,
zur armen Tanne sprechend: "Liebster Baum!
Du warst bisher verachtet und verflucht,
doch tragen wirst du noch die schönste Frucht,
die je ein Baum getragen hier auf Erden,
du sollst der Baum der höchsten Freude werden."

Wie wurde jetzt der Himmel trüb und grau!
Es blies ein kalter Wind auf Heid' und Au',
er heulte durch den Wald voll wilder Hast
und rüttelte die letzte Frucht vom Ast.
Oh, bald war jeder Baum, der einst geprahlt,
der Frucht und Blätter bar, gar kahl und alt,
es fielen Flocken und es krächzten Raben,
und sieh, der stolze Wald war wie begraben.

Nur jenes Bäumchen steht noch frisch und frei
und grünt und flüstert sanft wie einst im Mai.

Und als die heilige Nacht gekommen war,
da schwebte durch den Wald die Engelschar
zum Bäumchen zart und trug es durch die Nacht
in festlich aufgegangener Strahlenpracht.

 

Gedichte über Weihnachten, die Weihnachtszeit...


Heinrich Hoffmann von Fallersleben, um 1840

Morgen kommt der Weihnachtsmann  

 

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
Kommt mit seinen Gaben 
Trommel,  Pfeife und Gewehr,
Fahn und Säbel und noch mehr,
Ja ein ganzes Kriegesheer,
Möcht’ ich gerne haben.

Bring'  uns,  lieber Weihnachtsmann,
Bring'  auch morgen, bringe
Musketier und Grenadier,
Zottelbär und Panthertier,
Ross und Esel,  Schaf und Stier,
Lauter schöne Dinge.

Doch du weißt ja unsern Wunsch,
Kennest unsere Herzen.
Kinder,  Vater und Mama
Auch sogar der Großpapa,
Alle,  alle sind wir da, 
Warten dein mit Schmerzen.

 

Später umgedichteter Text

 

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt mit seinen Gaben
Bunte Lichter, Silberzier,
Kind und Krippe, Schaf und Stier,
Zottelbär und Panthertier
möchte ich gerne haben.

Doch du weißt ja uns’ren Wunsch,
kennst ja unsre Herzen
Kinder,  Vater und Mama,
auch sogar der Großpapa,
alle,  alle sind wir da,
warten dein mit Schmerzen. 


Ludwig Pfau

Weihnachtsgedicht

Den deutschen Arbeitern in Paris zum Bescherungsfest

Im Kreise froher Weihnachtsgäste
Sei uns gegrüßt, o Lichterbaum!
Verheißung strahlten deine Äste
Manch kindlichen Erlösungstraum.
Doch was wir mild Beschertes fanden,
Wie stolz das Halleluja klingt -
Der Heiland ist noch nicht erstanden,
Der in die Welt die Freiheit bringt.

Kein Himmel kann das Heil uns senden,
Es fällt aus keines Gottes Schoß,
Die Menschheit muss mit eignen Händen
Erkämpfen sich ihr irdisch Los
Er kommt in rußigen Gewanden,
Der Retter, der die Hölle zwingt -
Der Heiland ist noch nicht erstanden,
Der in die Welt die Freiheit bringt.

Schon pflanzt der Geist der Überwinder,
Der Arbeit großen Friedensbaum,
um den die Völker einst wie Kinder,
Sich scharen unterm Himmelsraum.
O Weihnacht! Wann er ob den Landen
die ries'gen Lichteräste schwingt -.
Dann ist in jeder Brust erstanden
Der Heiland, der die Freiheit bringt.


Adele Schopenhauer

Weihnachten wird es für die Welt

Weihnachten wird es für die Welt!
Mir aber - ist mein Lenz bestellt,
Mir ging in solcher Jahresnacht
Einst leuchtend auf der Liebe Pracht!
Und an der Kindheit Weihnachtsbaum
Stand Englein gleich der erste Traum!
Und aus dem eiskrystall'nen Schoß
Rang sich die erste Blüte los -
Seitdem schau' ich nun jedes Jahr
Nicht was noch ist - nur was einst war!


Johann Wolfgang von Goethe  

Weihnachten

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend -
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dir's begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Vor dir glänzten allzusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.


Joachim Ringelnatz 

Weihnachten

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
dass die kleinste Welt die größte ist.


Robert Reinick (Weihnachtsgedichte) Der Weihnachtsaufzug

Bald kommt die liebe Weihnachtszeit,
worauf die ganze Welt sich freut;
das Land,  so weit man sehen kann,
sein Winterkleid hat angetan.
Schlaf überall;  es hat die Nacht
die laute Welt zur Ruh gebracht -
kein Sternenlicht,  kein grünes Reis,
der Himmel schwarz, die Erde weiß.

Da blinkt von fern ein heller Schein -
was mag das für ein Schimmer sein?
Weit übers Feld zieht es daher,
als ob's ein Kranz von Lichtern wär',
und näher rückt es hin zur Stadt,
obgleich verschneit ist jeder Pfad.

Ei seht, ei seht!  Es kommt heran!
Oh,  schauet doch den Aufzug an!
Zu Ross ein wunderlicher Mann
mit langem Bart und spitzem Hute,
in seinen Händen Sack und Rute.
Sein Gaul hat gar ein bunt Geschirr,
von Schellen dran ein blank Gewirr;
am Kopf des Gauls, statt Federzier,
ein Tannenbaum voll Lichter hier;
der Schnee erglänzt in ihrem Schein,
als wär's ein Meer von Edelstein. -

Wer aber hält den Tannenzweig?
Ein Knabe, schön und wonnereich;
's ist nicht ein Kind von unsrer Art,
hat Flügel an dem Rücken zart. -
Das kann fürwahr nichts andres sein,
als wie vom Himmel ein Engelein!
Nun sagt mir,  Kinder, was bedeut't
ein solcher Zug in solcher Zeit? -

Was das bedeut't? Ei, seht doch an,
da frag ich grad beim Rechten an!
Ihr schelmischen Gesichterchen,
ich merk's ihr kennt die Lichterchen,
kennt schon den Mann mit spitzem Hute,
kennt auch den Baum, den Sack, die Rute.

Der alte bärt'ge Ruprecht hier,
er pocht'  schon oft an eure Tür;
droht'  mit der Rute bösen Buben;
warf Nüss'  und Äpfel in die Stuben
für Kinder, die da gut gesinnt. -
Doch kennt ihr auch das Himmelskind?
Oft bracht' es ohne euer Wissen,
wenn ihr noch schlieft in weichen Kissen,
den Weihnachtsbaum zu euch ins Haus,
putzt' wunderherrlich ihn heraus;
Geschenke hing es bunt daran
und steckt'  die vielen Lichter an;
flog himmelwärts und schaute wieder
von dort auf euren Jubel nieder.

O Weihnachtszeit, du schöne Zeit,
so überreich an Lust und Freud'!
Hör doch der Kinder Wünsche an
und komme bald,  recht bald heran,
und schick uns doch,  wir bitten sehr,
mit vollem Sack den Ruprecht her.
Wir fürchten seine Rute nicht,
wir taten allzeit unsre Pflicht.
Drum schick uns auch den Engel gleich
mit seinem Baum, an Gaben reich.
O Weihnachtszeit,  du schöne Zeit,
worauf die ganze Welt sich freut!
Wilhelm Hey (Lustige Gedichte über die Jagd)

Weihnachten

Wenn ich in Bethlehem wär,
du Christuskind,
lief ich zur Krippe hin,
o wie geschwind!
Drinnen liegst du auf Heu,
auf hartem Stroh,
blickst uns doch an so treu,
so lieb und froh!
Und wer nur recht dich liebt,
Groß oder Klein,
der ist nie mehr betrübt,
soll sich stets freu' n.  
Kann ich denn nicht zu dir,
zur Krippe gehn, 
kommst du doch gern zu mir,
kannst hier mich sehn.
Sieh in mein Herz hinein,
ob's  recht dich liebt,
mit allen Kräften sein',
sich dir ergibt. 


Robert Reinick (Weihnachtsgedichte)

Dezember  -  Der Weihnachtsbaum

Juchheissassa, Juchheissa!
Wir bringen ihn gebracht
Den Christbaum, den Tannenbaum
Der Alles lustig macht!  –

Du armer, armer Tannenbaum,
Wie war dir draußen weh!
Du strecktest deine Arme aus
Und trugst doch nichts als Schnee!  –

So sag‘  uns doch, du schmucker Baum.
Was wirst du morgen tragen!  –
Hoho! so darf man Narren wohl,
Doch keinen Christbaum fragen.  –

Juchheissassa, Juchheissa!
Wie ist der Schnee so weiß,
Wie grün ist doch der Tannenbaum!
Der weiß schon, was er weiß!  –


Hermann von Lingg

Weihnachtsgedicht

Für euch, o Kinder, blüht das Fest der Feste,
Was bringt's wohl diesmal? Welch ein Meer von Licht?
Könnt' ihr's erwarten? Wisst, das Allerbeste,
Das habt ihr schon. Das ist's: ihr wisst's noch nicht.

Was wir zum Spiel, was wir zum Ernst euch geben,
Als reine Freude gebt ihr's uns zurück,
Das ist das Beste, dass es eurem Leben
Noch Wahrheit ist, und ungetrübtes Glück.

Noch goldne Früchte trägt an seinen Zweigen
Für euch der Tannbaum, der im Wintergraun
Und einsam steht im Wald mit ernstem Schweigen,
Auf den die goldnen Sterne niederschaun.

Ein ganzes Jahr mit vielen, vielen Tagen
Erglänzt an dieses Tages Widerschein,
Mög' jeder Ernst euch goldne Früchte tragen
Und jedes Spiel euch lehren, froh zu sein.


Justinus Kerner (Weihnachtsgedichte)

An eine zur Weihnachtszeit geborene Freundin

Eh' der Heiland uns erschienen,
Schwebten Engel erdenwärts,
An der Krippe ihm zu dienen,
Lindernd ihm der Erde Schmerz.

Weil auch du zur Welt gekommen
Kurz vor jenem Christtag bist,
Sagt' ich oft schon: »Zu so frommen
Engeln sie zu zählen ist!«

Aber dass ich konnte nennen
»Kind« dich schon in Red' und Lied,
Kann wohl der nur nicht misskennen,
Der oft Engelsbilder sieht.

Engel tragen Kindermienen,
So nur es gekommen ist,
Dass du mir ein Kind geschienen,
Da du doch ein Engel bist.


Annette von Droste-Hülshoff   (Weihnachtsgedichte)

Am Sonntage nach Weihnachten


»Das Kind aber wuchs heran und ward
gestärket,  voll der Weisheit, und Gottes
Gnade war mit ihm«

An Jahren reif und an Geschicke
Blieb ich ein Kind vor Gottes Augen,
Ein schlimmes Kind voll schwacher Tücke,
Die selber mir zu schaden taugen.
Nicht hat Erfahrung mich bereichert;
Wüst ist mein Kopf, der Busen leer;
Ach keine Frucht hab' ich gespeichert
Und schau auch keine Saaten mehr!  

Ging so die teure Zeit verloren,
Die über Hoffen zugegeben
Dem Wesen,  was noch kaum geboren
Schon schmerzlich kämpfte um sein Leben:
Ich, die den Tod seit Jahren fühle
Sich langsam nagend bis ans Herz,
Weh' mir,  ich treibe Kinderspiele,
Als sei der Sarg ein Mummenscherz!

In siechen Kindes Haupte dämmert
Das unverstandne Missbehagen;
So,  wenn der Grabwurm lauter hämmert,
Fühl' bänger ich die Pulse schlagen.
Dann bricht hervor das matte Stöhnen,
Der kranke,  schmerzgedämpfte Schrei;
Ich lange mit des Wurmes Dehnen
Sehnsüchtig nach der Arzenei.

Doch wenn ein frischer Hauch die welke,
Todsieche Nessel hat berühret,
Dann hält sie sich wie Ros' und Nelke
Und meint sich königlich gezieret.
O Leichtsinn, Leichtsinn sonder Gleichen,
Als ob kein Seufzer ihn gestört!
Und doch muss ich vor Gram erbleichen,
Durch meine Seele ging ein Schwert.

Wer musst'  so vieles Leid erfahren
An Körpernot und Seelenleiden
Und dennoch in so langen Jahren
Sich von der Welt nicht mochte scheiden:
Ob er als Frevler sich dem Rade,
Als Tor geselle sich dem Spott,
O sei barmherzig,  ew'ge Gnade,
Richt ihn als Toren, milder Gott!

Du hast sein siedend Hirn gebildet,
Der Nerven rastlos flatternd Spielen
Nicht von gesundem Blut geschildet,
Weißt seine dumpfe Angst zu fühlen,
Wenn er sich windet unter Schlingen,
Zu mächtig ihm und doch verhasst,
Er gern ein Opfer möchte bringen,
Wenn es nur seine Hand erfasst'.

Was Sünde war, du wirst es richten,
Und meine Strafe muss ich tragen;
Und was Verwirrung, wirst du schlichten,
Weit gnäd'ger,  als ich dürfte sagen.
Wenn klar das Haupt,  die Fäden löser,
Was dann mein Teil,  ich weiß es nicht;
Jetzt kann ich stammeln nur:  »Erlöser,
Ich gebe mich in dein Gericht!«


Franz Grillparzer  (Weihnachtsgedicht)

Weihnachten

Am heilgen Christtagabend
Den Kindern man beschert,
Da ist denn eitel Freude
An Wägelchen und Pferd.

Am heilgen Christtagabend,
Obgleich ich längst kein Kind,
Hat man mir auch bescheret,
Gut, wie die Menschen sind.

Man gab mir einen Kummer,
Man gab mir eine Qual,
Die tief am Leben naget,
Das längst schon geht zu Tal.

Man gab mir die Gewissheit,
Mein Streben sei verkannt,
Und ich ein armer Fremdling
In meinem Vaterland,

Man hat beim nahnden Winter
Genommen mir das Nest
Und hieß mich weiter wandern
Für meines Lebens Rest.

Doch ists der Lauf der Zeiten,
Ein Trost nur stellt sich dar:
Bin ich auch nichts geworden,
Ich blieb doch der ich war.


Marx Möller   (Weihnachtsgedichte)

Weihnachtslied

Die Winde brausen und tosen
über Heide und See;
im Garten die Christrosen
blühn heimlich unter dem Schnee;

heimlich, wie in den Bäumen
es leise treibt und drängt;
heimlich wie süßes Träumen,
das dämmernd den Sinn umfängt,

wenn aus der Luft, der klaren,
Weihnachtsgeläute schwebt,
als hätten vor vielen Jahren
schon einmal wir gelebt, -

als hätte unsre Lippe
schon damals das alte Lied
gesungen, als vor der Krippe
wir weinend niedergekniet;  -

als hätten wir selber gesehen
des Sternes leuchtendes Licht
über der Hütte stehen,  -
und Mariens reines Gesicht,  -

und die Strahlen, welche flirrten
um des Kindes blondlockiges Haar,  -
und die Könige und die Hirten  -
und der Engel jauchzende Schar.


Moritz Gottlieb Saphir (Weihnachtsgedichte)

Am Heiligen Abend

Der Tag verschließt
die reiche Farbenquelle
und Dämmerung macht dem Heiligen Abend Raum.
Ein milder Streif
aus rosenroter Helle
fasst fern die Berge ein
in purpur Saum.
Die Nacht,
sie breitet ihren weichen Schleier
rings um die Erd,
wie um ein schlafend Kind.
Und wie ein Priester geht
zu hoher Tempelfeier
so schreitet still der Mond
durch Nacht und Wind.
Auf Erden auch
da glühen tausend Herzen
und bunte Lichter brennen überall.
Und Liebe strömet aus den offenen Herzen,
vergessen ist des Lebens Kampf und Qual.
Vergessen sind die Tränen grauer Stunden,
vergessen Krankheit, Sorge bittere Not.
Das Kind des Himmels
hat den Weg zu uns gefunden
und mit ihm kam
das neue Morgenrot.
Geh nie von uns
und mach uns stark für alles.
Für alles,
ob in Krankheit, Leid und Schmerz.
Mög uns das Kind des Himmels
Frieden schenken
und trösten
manch gequältes Menschenherz.


Annette von Droste-Hülshoff  (Sylvestergedichte)

Am letzten Tag des Jahres

Das Jahr geht um, 
der Faden rollt sich sausend ab.
Ein Stündchen noch,  das letzte heut,
Und stäubend rieselt in sein Grab,
was einstens war lebendge Zeit.
Ich harre stumm.

's ist tiefe Nacht!
Ob wohl ein Auge offen noch?
In diesen Mauern rüttelt dein
Verinnen,  Zeit!  Mir schaudert, doch
Es will die letzte Stunde sein
Einsam durchwacht,

Gesehen all,
Was ich begangen und gedacht.
Was mir aus Haupt und Herzen stieg,
Das steht nun eine ernste Wacht
Am Himmelstor,  O halber Sieg!
O schwerer Fall!

Wie reißt der Wind
Am Fensterkreuze! Ja, es will
Auf Sturmesfittichen das Jahr
Zerstäuben,  nicht ein Schatten still
Verhauchen unterm Sternenklar.
Du Sündenkind,

War nicht ein hohl
Und heimlich Sausen jeder Tag
In deiner wüsten Brust Verlies,
Wo langsam Stein an Stein zerbrach,
wenn es den kalten Odem stieß
Vom starren Pol?

Mein Lämpchen will
Verlöschen, und begierig saugt
Der Docht den letzten Tropfen Öl.
Ist so mein Leben auch verraucht?
Eröffnet sich des Grabes Höhl
Mir schwarz und still?

Wohl in dem Kreis,
Den dieses Jahres Lauf umzieht,
Mein Leben bricht.  Ich wusst es lang!
Und dennoch hat dies Herz geglüht
In eitler Leidenschaften Drang!
Mir brüht der Schweiß

Der tiefsten Angst
Auf Stirn und Hand.  -  Wie? dämmert feucht
Ein Stern dort durch die Wolken nicht?
Wär es der Liebe Stern vielleicht,
Dir zürnend mit dem trüben Licht,
Dass du so bangst?

Und wieder?  Sterbemelodie!
Die Glocke regt den ehrnen Mund.
O Herr,  ich falle auf das Knie:
Sei gnädig meiner letzten Stund!
Das Jahr ist um!


Ida Gräfin Hahn-Hahn  (Weihnachtsgedichte)

Am Weihnachtsabend 

Stehst du freundlich wieder offen,
Meiner Kindheit Paradies,
Das ich unter frohem Hoffen,
In der Jugend Mut verließ? -

Haben Zauberlandes Räume
Hell sich wieder aufgetan,
Schaukeln meine alten Träume
Wieder mich in süßem Wahn?

Gießt der Kerzen muntrer Schimmer
Licht durch meine Lebensnacht,
In der schon seit Jahren nimmer
Ruhesterne mir gelacht?  -

Wär ich niemals doch geschieden
Aus dem engbeschränkten Reich;
Dann wär meiner Seele Frieden
Noch wie damals ewig gleich.

Ach, nun scheinen Weihnachtskerzen
Wie der Fackel düstrer Zug,
Wenn zum Grab gebrochne Herzen
Auf der Bahre hin man trug.  -

Oder wie die Abendröte
Noch den Horizont bemalt,
Wenn sich schon die Nacht erhöhte,
Längst nicht mehr die Sonne strahlt.

Abglanz des verlornen Glückes
Find ich, wo sonst Glückes Spur:
Kenne Gunst des Augenblickes
Diesen bleichen Schatten nur.

Matt versanken kleine Freuden
Vor der Liebe Sonnenglanz. -
Nach der Liebe steht das Scheiden,
Es zerriss mir meinen Kranz.

Flattern auch noch kleine Blüten
Hier und dort mir freundlich zu,
Nehm ich sie wie sie sich bieten;
Doch sie geben keine Ruh.

Leuchtet nur ihr Weihnachtskerzen,
Durch die Winternacht so mild,
Also strahlt durch Gram und Schmerzen
Meiner einz’gen Liebe Bild.


Jakob Loewenberg (Weihnachtsgedichte)

An der Straßenecke

An der Straßenecke, in der Häuser Gedränge,
in der Großstadt wogender Menschenmenge,
inmitten von Wagen,  Karren,  Karossen
ist heimlich ein Märchenwald entsprossen,
von leisem Glockenklingen durchhallt:
von Weihnachtsbäumen ein Tannenwald.
Da hält ein Wagen, ein Diener steigt aus
und nimmt den größten Baum mit nach Haus.
Ein Mütterchen kommt,  und prüft und wägt,
bis endlich den rechten sie heimwärts trägt.
Verloren zur Seite ein Stämmchen stand,
das fasste des Werkmanns ruhige Hand.
So sah ich einen Baum nach den andern
in Schloss und Haus und Hütte wandern,
und schimmernd zog mit jedem Baum
ein duftiger, glänzender Märchentraum. -
Frohschaukelnd auf der Zweige Spitzen
schneeweißgeflügelte Englein sitzen.
Die einen spielen auf Zinken und Flöten,
die andern blasen die kleinen Trompeten,
die wiegen Puppen, die tragen Konfekt,
die haben Bleisoldaten versteckt,
die schieben Puppentheaterkulissen,
die werfen sich mit goldenen Nüssen,
und ganz zuhöchst, in der Hand einen Kringel,
steht triumphierend ein pausbackiger Schlingel.
Da tönt ein Singen, ein Weihnachtsreigen -
verschwunden sind alle zwischen den Zweigen.
Am Tannenbaum hängt, was in Händen sie trugen.
Ein Jubelschrei schallt;  und von unten lugen
mit Äuglein, hell wie Weihnachtslichter,
glückselig lachende Kindergesichter.


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